Geschrieben von Christian Schnettelker

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Zum Haare ausraufen

Heute hatte ich erneut eine Anfrage zur Überarbeitung einer bestehenden Webseite. Da mein Auftritt in Google gut positioniert ist kommen diese erfreulicherweise immer öfter.

Nicht erfreulich war einmal mehr der Blick „unter die Motorhaube“ der Kundenseite, wo deutlich sichtbar wird, was manche „Kollegen“ Webdesigner so an handwerklichem Pfusch abliefern.

Haarverlust #1 – Die zu überarbeitende Webseite

Der SEO-Score zeigt traurige 51%, da ist viel Geld in den verhangenen Jahren am Kunden vorbei zur Konkurrenz gewandert. Völlig unverzeihbarer Fehler der bisherigen Webdesign-Agentur ist der Seitentitel: „Home | <domainname>“. Da frage ich mich doch, wie dumm man eigentlich so sein kann.

Nach „Home“ sucht garantiert keiner, siehe meinen gleichnamigen Artikel vom April 2014. Den Domainnamen in den so unglaublich wichtigen Seitentitel zu packen ist jedoch selten dämlich, um nicht „geschäftsschädigend“ zu sagen.

Fast genauso fahrlässig ist der zweite gravierende Fehler: auch im sehr wichtigen H1-Heading-Tag steht nur der Domainname! Herzlichen Glückwunsch, die Maßnahmen für eine möglichst schlechte Positionierung in den Suchmaschinen sind damit nahezu komplett. Hier die Liste weiterer leicht vermeidbarer Fehler, die mein Testprogramm für die Kundenseite auswirft:

  • Die Meta-Description fehlt
  • Es ist kein Viewport angegeben
  • Einige der Tags sind zu lang
  • Bei 3 Bildern fehlt das Alt-Attribut („Alt-Tag“). Der Inhalt von Alt-Attributen wird von Suchmaschinen auch als Text gewertet
  • Die H1-Überschrift besteht nur aus einem Wort. Es sollten mehr Informationen angegeben werden
  • Die H1-Überschrift ist zu kurz. (13 Zeichen) Sie sollte mindestens 20 Zeichen lang sein.

Als nächstes habe ich mir auch die Webseite des bisherigen Webdesigners aus Suchmaschinen-Sicht angesehen:

Haarverlust #2 – Die Agentur-Webseite

Immerhin macht man hier den gravierenden Home-Fehler nicht, wichtige Keywords befinden sich im Title-Tag der Startseite. Trotzdem erreicht die Seite einen für eine Agentur miserablen SEO-Score von nur 61%. Und weil es so schön war nochmal die Liste der leicht vermeidbaren Fehler in diesem Auftritt:

  • Die Meta-Description fehlt
  • Das Encoding (Zeichensatz) ist nicht im HTTP Header angegeben
  • Die Doctype Angabe ist nicht an erster Stelle im HTML Dokument. Es dürfen keine Leerzeichen vor der Deklaration sein
  • Es ist kein Favoriten Icon (Favicon) im HTML-Code verlinkt
  • Bei 9 Bildern fehlt das Alt-Attribut. Der Inhalt von Alt-Attributen wird von Suchmaschinen auch als Text gewertet
  • 8 Links haben keinen Linktext oder nur Inhalt in Alt- und Titeltags.

Die Meta-Description scheint der Agentur völlig unbekannt zu sein. Hallo?!

Beam me up, Geordie

Hinsichtlich Optik hat die Kundenseite den Charm von vor 10 Jahren: kleine Schrift mit engem Zeilenabstand. Keine Webfonts, kein Responsive Webdesign, die Seite „spring“ beim Seitenwechsel. Gut, die verstaubte Optik war wohl auch der Grund, warum die Seite erneuert werden soll.

Bei der eigenen Agenturseite hat man sich deutlich mehr Mühe gegeben. Auch hier hätte ich sicher einiges anders gemacht, aber über Geschmack… na Sie wissen schon.

Was soll man abschließend da noch sagen; wieder trifft alles unter „SEO? Nie gehört…“ bereits im April 2014 beschriebene voll zu. Ich werde mir diese und andere erschütternden Ergebnisse aber nicht zu Herzen nehmen, andernfalls würde ich wohl in kürzester Zeit als Captain Picard im Büro sitzen und hoffen, dass mich endlich jemand von diesem Planeten der Stümper wegbeamt.

Ich behaupte nicht, immer alles richtig und keine Fehler zu machen, aber so einen Pfusch liefere ich jedenfalls nicht ab.

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Kommentare

Kommentare

  1. Smith Anonym schrieb:

    Wenn der Budget-Rahmen sehr eng ist, dann kann ich verstehen, dass man nur das Nötigste macht. Oft sagen Kunden sogar: „Mir ist Google egal, den Aufwand für individuelle Google-Beschreibung und Titel können Sie sich sparen…“.

    Oft wissen Kunde selber nicht, was Sie eigentlich genau bewerben möchten, was also online deren Hauptkeyword ist. Kein Wunder. Oft genug vorgekommen, dass man Texte geliefert bekommt, in denen das Keyword nicht mal vorkommt (Hauptseite). Beispielsweise der Bäcker, der nirgendwo schreibt, dass er ein Bäcker ist und in welcher Stadt überhaupt.

    • Ich persönlich denke in solchen Fällen gar nicht nach, die wichtigsten Keywords werden automatisch bei der Erstellung der Seiten platziert; das macht die Erfahrung und Routine. Ich müsste mich im Gegenteil sogar anstrengen, um es anders zu machen.

      Auch bei meinen Projekten ist es natürlich schon vorgekommen, dass ein Kunde auf eine Suchmaschinen-Optimierung wenig Wert legte. Es ist aber noch nicht vorgekommen, dass er mich angewiesen hätte, alles möglichst kontraproduktiv einzustellen, um ja nicht gefunden zu werden.

      Mein Vorwurf an die Konkurrenz ist auch, dass diese offenbar die zahlreichen, frei verfügbaren SEO-Testseiten nicht kennt oder nicht mal fünf bis zehn Minuten Zeit investieren möchte, um die schlimmsten Fehler zu beseitigen. Mögliches Motto dieser Leute: wozu die Arbeit machen, der dumme Kunde merkt es sowieso nicht („Mein Geschäft – Ihr Untergang“). Diese Strategie der „verbrannten Erde“ ist kurzsichtig gedacht, ohne Erfolg der Webseite wird der Kunde sich früher oder später einen anderen Dienstleister suchen und garantiert keine Weiterempfehlung aussprechen.

      Mir war es immer wichtig, gute Arbeit abzuliefern und zufriedene Kunden zu haben. Damit lebt und schläft es sich besser, ich kann guten Gewissens die Rechnung stellen und auf eine Weiterempfehlung hoffen.

  2. Yvonne schrieb:

    Hallo Christian,

    man kann vermutlich von Glück sprechen, wenn Du Dich um die Website kümmerst. Hört sich so an, als ob für Kunden, die für SEO-Optimierung nicht zusätzlich zahlen wollen, extra Zeit investiert wird, um die Seite „schlecht“ zu machen..

    Übrigens: ich liebe deine Captcha-Abfrage:)

  3. marlene schrieb:

    Sehr guter Artikel. Vielen Dank fürs Schreiben bzw Teilen. Hab mir Deinen Blog in meinen Favoriten abgespeichert.

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