Geschrieben von Christian Schnettelker

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Windows 8

Windows begleitet mich schon seit ca. 1990, damals in der Version 3.0 bzw. 3.1, welche eigentlich, manche werden sich erinnern, damals ehr eine Art „Aufsatz“ des eigentlichen Betriebssystems MS-DOS war. Seit diesen Tagen durfte ich alle folgenden Versionen kennen lernen: Windows 95, 98, NT 4.0, ME, 2000, XP, Vista und Windows 7.

Als von Microsoft vor einigen Monaten die ersten Versionen von Windows 8 zum Ausprobieren zur Verfügung gestellt wurden dachte ich, beim Anblick der „Kacheln“ als Ersatz für das Startmenü, zuerst an einen Zwischenschritt, der sich bis zum endgültigen Release sicher noch ändern würde. Es stören mich dabei nicht die Kacheln an sich, finde sie eigentlich gelungen, für ein Tablet oder ein Smartphone mit Touchscreen. Doch was soll ich auf meinem Desktoprechner damit?

Tippst Du noch oder wischt Du schon?

Inzwischen ist Windows 8 offiziell erhältlich und noch immer drängen sich diese Kacheln auf, als würde jedermann an einem Smartphone sitzen. Das, was mir fehlt, ist der Touchscreen. Dafür habe ich etwas, was den meisten Smartphones und Tablets fehlt: Tastatur und Maus.

Erwartet Microsoft nun von mir, meine Tastatur und Maus zu verschrotten und mir zwei neue Touchscreens anzuschaffen, damit ich meine Webseiten und Texte per Wischtechnik mit ausgestrecktem Arm zusammensetze? Oder meinen die Jungs aus Redmond, da der Desktoprechner – laut sich regelmäßig irrender Trendforscher – sowieso alsbald aussterben wird, ich würde meine Arbeit zukünftig, lasziv in der Sonne badend, mit einem Tablet am Strand der Copacabana erledigen?

Zeitreisen

Ok, man sagt, dann es gäbe immer noch den regulären Desktop, alles bleibt, wie es war. Doch stimmt das wirklich? Zum Beispiel fand ich den Aero-Glaseffekt, also die durchsichtigen Fenstertitel, sehr praktisch, erhöhten sie doch die Übersichtlichkeit bei vielen gleichzeitig geöffneten Fenstern. Gibt’s nicht mehr! Und wehe, ich komme mit der Maus in eine der „sensitiven“ Ecken, dann springen mich wieder die Touch-Kacheln an.

Vom fehlenden Startmenü will ich gar nicht sprechen, hat man dieses doch zuerst auf dem Altar des vermeintlichen Zeitgeistes geopfert. Insgesamt gefällt mir auch die reduzierte Optik des Desktops nicht, er wirkt auf mich wie eine Zeitreise zurück zu Windows 95. Nicht einmal das neue Windows-Logo finde ich besonders gelungen.

Dann bliebe noch der radikale Umstieg weg von meinen bisherigen Programmen, hin zu „Apps“, die auf eine Touchbedienung ausgelegt sind. Mal abgesehen davon, dass die meisten Programme (noch) nicht als „App“ vorliegen, mal abgesehen von den enormen Kosten eines solchen Umstiegs und abgesehen davon, dass sich mir bei dem ach so trendigen „Lifestyle-Begriff“ App für ein Programm der Magen umdreht, was hätte ich gewonnen?

Denn normalerweise sehe ich auf dem „Metro-Desktop“ immer nur eine „App“ als Vollbild, mit ein paar Tricks angeblich sogar zwei. Ich bin es aber gewöhnt drei, vier oder auch mal zehn Fenster gleichzeitig geöffnet zu haben, um schnell wechseln zu können oder Daten von Fenster A nach Fenster B zu übertragen. Geht also auch nicht.

Aus Windows würde so ein Window, na Dankeschön! Unsere Zeitmaschine aus Redmond reist diesmal noch weiter zurück, zurück zu Windows 1.0 von 1986, dem gleichen Jahr, in dem Modern Talking ihr „Brother Louie“ sangen. Oder sind wir schon gar beim C64, so einen hatte ich als Kind auch mal, der konnte gleichfalls nur ein Programm ausführen.

Eines für alle?

Es tut mir leid, aber ich kann in Windows 8 für meine Arbeitsumgebung keinen Fortschritt erkennen. Könnte man die Oberfläche frei wählen, also zum Beispiel zwischen „Windows 7 Desktopmodus“ und „Windows 8 Kachelmodus“ verbindlich schalten, wäre die neue Version zwar auch nicht etwas, was ich unbedingt brauche, aber auch kein Grund, dieses neue Windows zu überspringen und auf Besserung durch Windows 8.1 oder 9 zu hoffen.

Windows 8 will es allen recht machen und alle Gerätetypen bedienen; die momentan gewählte Art des „sanften Drucks“, möglichst alles per Touch zu steuern, ist aber meines Erachtens nichts Halbes und nichts Ganzes. Nicht einmal die Windows-Steuerung selber ist dahingehend konsequent, muss man doch zum Verändern diverser Einstellungen zwischen Kachelansicht und Desktop hin- und herspringen.

Fazit

Mag sein, dass viele heute am Tablet surfen oder im Smartphone die neuesten Nachrichten online lesen, bitteschön. Es gibt aber auch Leute wie mich, die tagein tagaus mindestens acht Stunden am Rechner sitzen und arbeiten. Da sehe ich zum jetzigen Zeitpunkt keine Alternative zur Maus- und Tastatureingabe.

Ich bin nicht einer, der Neuerungen prinzipiell kritisch gegenüber steht, aus all den oben genannte Gründen und Überlegungen habe ich aber Windows 8 vorerst so nötig wie ein Fisch ein Fahrrad. Da helfen auch keine millionenschwere Werbekampagnen und Kampfpreise.

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Kommentare

Kommentare

  1. Till Kleinert schrieb:

    Hallo Christian,

    hat sich seit seit deinem Windows 8 Artikel im Oktober 2012 etwas im Umgang oder an deiner Meinung zu Winwos 8 geändert?

    ich finde es recht gut und die Kacheln eine gelungene Lösung. Natürlich verstehe ich deinen Artikel zum damaligen Zeitpunkt.

    • Nein, für mich hat sich nichts verändert. Habe neulich an einem Tablet mit Windows 8 herumgespielt, sehr schön soweit. Trotzdem kann ich auf meinem Desktop damit nichts anfangen. Leider sperrt sich MS noch gegen die naheliegende und einfache Lösung, Metro abschaltbar zu machen, mal sehen, wie lange die das durchhalten…

      • Markus schrieb:

        Also ich seh keinen (negativen) Unterschied zu Win7. Bei mir bootet Win8 direkt in den Desktop und die Kachel Optik bekomm ich eigentlich so gut wie nie zu Gesicht, es sei den ich will wirklich dahin. Die blöden Ecken hab ich abgeschaltet und ein Startmenü braucht man eigentlich seit Win7 schon nicht mehr, dank Superbar. ABER mir wär es auch lieber wenn man Metro ganz abschalten könnte, den ich mag es eigentlich nicht was auf dem Rechner zu haben was ich eh nicht nutz. Aber gut damit kann ich leben.

        • Aber wo bleibt da der Fortschritt für den Desktop-PC? Wechsele ich zu Windows 8 und stelle alles wieder so ein, wie es bei Windows 7 war, kann ich gleich bei Windows 7 bleiben. Andernfalls beschneide ich meine Möglichkeiten, siehe Text. Es tut mir leid, ich kann auch ein Jahr nach Einführung keinen Fortschritt in Windows 8 sehen, so sehr ich auch schaue…

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