Geschrieben von Christian Schnettelker

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Sie müssen nur den Nippel durch die Lasche zieh‘n…

Ein gutes halbes Jahr ist mein Artikel zu Windows 8 nun alt, für mich hat sich nichts geändert, mein Windows 7 funktioniert – toi toi toi – zuverlässig und – außer beim Tablet meines Ex-Chefs – habe ich bisher niemanden gesehen, der Windows 8 installiert oder auch nur danach gefragt hätte. Das „Smartphone-Windows“, für das der Desktop nur eine „App“ ist, scheint für die Kunden nur ein Betriebssystem zu sein, auf das sie locker verzichten können.

Singen Sie mit!

Über den Sinn und Unsinn der Kachel-Bedienung auf einem Desktop-PC hatte ich mich im Oktober letzten Jahres ja bereit ausgiebig ausgelassen. Die verwirrende, inkonsequent vermischte Oberfläche von Windows 8 empfinde nicht nur ich als unüberlegt, jemand hat neulich in einem Forum die Bedienung einmal schön mit einem Lied von Mike Krüger beschrieben:

Sie müssen nur den Nippel durch die Lasche zieh‘n,
und mit der kleinen Kurbel ganz nach oben dreh‘n,
da erscheint sofort ein Pfeil, und da drücken Sie dann drauf,
und schon… geht das Fenster auf…

Oder anders ausgedrückt: über 1,3 Milliarden US Dollar Marketingkosten für die Einführung von Windows 8 und keiner findet den Startbutton. Manche nennen die aktuelle Version ja auch „das größte Memory-Spiel aller Zeiten“, eine „kostenpflichtige Endkunden-Experimentalsoftware“ oder poetisch das „Badezimmer-OS“. Eigentlich ganz lustig alles…

Erleuchtung in Blau

Inzwischen, so steht es aktuell in den Zeitungen, ist es wohl – nach geschlagenen sechs Monaten – auch in Redmond einigen Leuten klar geworden, in welcher Sackgasse man sich mit dieser Lösung verirrt hat. Die neue Version 8.1, Codename „Blue“, soll eventuell, so genau verrät man uns das noch nicht, die Dinge zurückbringen, welche Windows 7 bereits hat: einen Start-Button und das Booten direkt in den Desktop. Na klasse, das nenne ich wirklichen Fortschritt.

Wenn das so weitergeht wird Windows 8.9 in ein paar Jahren dann wieder vollständig auf dem Stand sein, in dem Windows 7 bereits heute ist. Übrigens, vom praktischen Areo-Effekt, welchen man bei W8 einfach einmal so mir nix dir nix über Bord geworfen hat, ist komischerweise in allen Klageliedern über die aktuelle Version nie die Rede, vermisst das denn keiner außer mir?

Was der Kunde wirklich gebraucht hätte…

Mein Fazit bleibt wie gehabt: ich warte ab, was die Zeit so bringt und sehe keinerlei Bedarf, mein System hier zu ändern. Ich hätte persönlich ja ein paar Ideen, was man an Windows wirklich verbessern könnte, zum Beispiel:

  • Einen zentralisierten Update-Mechanismus für alle Programme wie bei Linux, sodass man Java, PDF-Reader etc. nicht selbsttätig aktuell halten muss
  • Zusammenfassung der zersplitterten Windows-Einstellungen in einer wirklich umfassenden, übersichtlichen Systemsteuerung
  • ein zuverlässiger Windows Media-Player, der nicht unkontrolliert abstürzt, alle gängigen Formate abspielen kann und nicht bei jedem Einstöpseln eines USB-Sticks das laufende Video unterbricht bzw. das Bild ausblendet
  • ein Windows Live Mail, das beim Eingang von als SPAM erkannter Emails keinen akustischen Nachrichteingangston abspielt

Und das „Problem“ mit Metro ließe sich erschütternd einfach über einen On/Off-Schalter lösen, denn, wie ich bereits ausführte, finde ich die Kachel-Bedienung für ein Tablet durchaus gelungen. Ich wette, jeder, der ein solches Gerät hat, schaltet Metro ein, da es die Bedienung vereinfacht und die allermeisten, die an einem Desktop-Rechner sitzen, schalten auf die gewohnte Bedienung zurück, weil sie mit Maus und Tastatur wesentlich effektiver arbeiten.

Einziger Nachteil für MS wäre bei dieser Lösung, dass eine größere Anzahl von Benutzern, die mit dem Desktop gut zurechtkommen, voraussichtlich nie mit der Metro-Oberfläche in Berührung kommen werden – aber das werden sie im Moment ja auch nicht, da sie vor Windows 8 zurückschrecken und/oder, wie in meinem Fall, es ihnen schlicht keinerlei Mehrwert bietet.

Der Desktop ist tot, Jim!

Aber was zerbreche ich mir für MS den Kopf, anscheinend sind naheliegende Lösungen nicht gewünscht, sondern Dogmen wie „der Desktop-PC stirbt“ und „demnächst haben alle einen Touchscreen“ gefragt.

Ich bin mir jedoch sicher: es kommt einmal der Tag, an dem auch Microsoft einsehen wird, dass man Buchhaltung, Webdesign, Bankgeschäfte, Musikkomposition, Grafikbearbeitung, CAD, Videoschnitt, Programmierungen und viele andere Dinge auch 2030 nicht unterwegs sondern, wenn immer möglich, stationär in Ruhe am Desktop-Rechner mit Tastatur, Maus, hoher Rechenpower und großem Bildschirm machen wird – falls wir den Planeten bis dahin nicht in die Luft gesprengt haben.

Ok, mein Psychotherapeut sagt, ich soll nicht alles immer so negativ sehen, also sehen wir es positiv: tausende Blogger wie ich hätten ohne W8 ein Thema weniger, über das man vortrefflich lästern, spotten und den Kopf schütteln kann.

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