Geschrieben von Christian Schnettelker

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Webdesign-Kosten

Immer, wenn es ums liebe Geld geht, wird es schwierig. Der römische Kaiser Vespasian stellte bei der Einführung der Latrinensteuer fest, das Geld nicht stinkt. Jemand ganz schlaues fragte einmal, ob man Geld zurück bekommt, wenn das Taxi rückwärts fährt.
Webdesign-Kosten
Für Konrad Adenauer war das Einzige, was Sozialisten von Geld verstehen, dass sie es von anderen haben wollen. Hier ein paar Anmerkungen meiner Wenigkeit zum Thema, speziell beim Webdesign.

Ross und Reiter

Eine der Fragen, die ich mir anno 2005 bei der ersten Version meiner Webseite stellte, war, ob ich Ross und Reiter auf meinen Seiten nenne, sprich, ob und wie ich Preise für meine Leistungen angebe. Dazu gibt es im Netz (wie immer) viele unterschiedliche Meinungen.

Eine Fraktion Webdesigner nennt gar keine Preise, aus Prinzip. Die Begründung ist meist, dass die Projekte so individuell sind, dass man diese vorab, beispielsweise mit einem Kostenrechner, unmöglich ermitteln kann. Kunden müssen dort also immer anfragen, dummerweise tun sie es aber oft nicht.

Eine zweite Gruppe versucht, möglichst alles in „Pakete“ zu packen und preist diese dann aus. Dabei kann es aber schnell passieren, dass eine gewünschte Leistung nicht vorgesehen oder nur in einem dann deutlich teureren Paket vorhanden ist, man also unnötiges mitkaufen muss.

Es gibt auch Webdesigner, die jede Kleinigkeit in Tabellen auflistet, der Kunde kennt sich ja aus und möge doch bitteschön alles selber mit spitzem Stift zusammenrechnen.

Schon traurig, dass man als Webdesigner anscheinend nicht mal eine einfache Programmierungen, die für einen komfortablen Rechner notwendig sind, realisieren kann. Oder noch schlimmer: vielen ist die Programmierung schlicht zuviel Arbeit.

Rechner

Im Jahre 2005 habe ich mich schließlich entschieden, auf meiner Seite einen mittels Javascript realisierten Kostenrechner, damals „Preiskalkulator“ genannt, einzubauen. In einer Art Fragebogen werden die wichtigsten Eckdaten abgefragt, der Besucher sieht sofort, wie sich die jeweiligen Wünschen preislich auswirken.

In den Jahren wurde mein Rechner immer wieder überarbeitet und ergänzt; ich sage auch gerne, warum ich mich damals so entschieden und dies bis heute beibehalten habe:

Pro Kostenrechner

Wichtigster Vorteil meines Kostenrechners: Er hält mir die ganzen Leute vom Hals, die meinen, eine professionelle, für Suchmaschinen optimierte Seite mit modernem Design für schlanke 250,- EUR einkaufen zu können.

Es ist, wie es ist: viele Kunden sind total realitätsfremd und haben keinerlei Vorstellung, wieviel Arbeit und Erfahrung eine gute Seite benötigt. Ein Angebot für diese Leute zu erstellen wäre reine Zeitverschwendung, das Ergebnis kann hier eh‘ nur Enttäuschung auf beiden Seiten sein.

Zweiter Grund pro Kostenrechner: ich gehe einfach einmal von mir aus, wenn ich mich für etwas interessiere, möchte ich zumindest ungefähr wissen, was das dann später kosten wird, ohne erst anfragen und mehrere Tage auf ein Angebot warten zu müssen.

Auch mag ich Verkäufer am Telefon nicht, die mich nach einer Anfrage möglicherweise mittels psychologischer Tricks zum Kauf überreden wollen. Ich senke also mit meinem Kostenrechner die „Hemmschwelle“, sich einmal über die Kosten eines Projektes unverbindlich zu informieren.

Drittens übernimmt mein Kostenrechner für mich einen Großteil der Arbeit, einen Auftrag einzuschätzen: handelt es sich um ein kleines, mittleres oder großes Projekt? Liegt ein Layout für das Design vor oder muss dies neu erstellt werden? Sollen die Seiten für die Anzeige auf mobilen Endgeräten angepasst sein, Stichwort „Responsive Webdesign“?

Letztlich muss ich alle im Rechner abgefragten Eckpunkte so oder so in die Kalkulation für ein Angebot einfließen lassen.

Contra

Ok, natürlich gibt es auch Nachteile. verzwickte Projekte, bei denen beispielsweise besondere Programmierungen notwendig sind, lassen sich damit meist nicht abbilden. Im schlimmsten Falle, wenn ich und mein Rechner sich komplett verkalkuliert haben, müsste ich halt zusätzliche unbezahlte Arbeit leisten. Das ist auch schon vorgekommen, aber da das recht selten passiert kann ich damit leben.

Auch sehr große Projekte sprengen den Rahmen meines Kalkulators deutlich, aber dafür bin ich als Einzelkämpfer sowieso nicht der richtige Mann – was ich auf meinen Seiten, der Fairness halber, an geeigneter Stelle deutlich mache.

Zwischenfazit: für mich hat der Kostenrechner mehr Vor- als Nachteile. Das diesbezügliche Feedback meiner Kunden ist auch durchweg positiv, wobei mir natürlich bewusst ist, dass die Leute, denen das „zu teuer“ ist, sich natürlich erst gar nicht melden. Die basteln sich lieber an einem Samstagnachmittag eine kontraproduktive Seite mit Word zusammen, ich kann es nicht ändern.

Firewall

Apropos Bastler: um im Vorfeld möglichst klar zustellen, in welchem preislichen Umfeld ich mich bewege, habe ich meinem Kostenrechner eine Orientierungsseite „Was bekommen Sie wofür?“ vorgeschaltet. Dort zeige ich freundlich, aber unmissverständlich, was Webdesign-Kunden da draußen im Netz nach meinen Erfahrungen hinsichtlich Webdesign erwartet.

Die Seite wirkt wie eine zusätzliche Firewall gegen die recht große „Pixelschubserei, kann doch nicht soviel kosten“ bzw. „es ist eine Ehre, für mich zu arbeiten, ich zahle möglichst gar nichts“- Fraktion.

Festpreise

Zurück zum Kostenrechner: ist das Projekt dort definiert nenne ich auf Wunsch in einem Angebot einen Festpreis für die notwendigen Arbeiten. Dieser kann sich vom ermittelten Preis unterscheiden, tut er meist aber nicht.

Stichwort Festpreis, ich verstehe das Wort genau so, wie es gemeint ist: zusätzliche Kosten für Lieferung, Einrichtung etc. fallen nicht an. Habe ich mich verkalkuliert und muss doch mehr arbeiten, ist das mein Problem.

Bei einigen Projekten kam es vor, dass der Kunde im Nachhinein Zusatzwünsche geäußert hat, in diesem Falle nenne ich natürlich die zusätzlichen Kosten und treffe ein unbürokratisches „Gentlemen’s Agreement“. Damit bin ich immer gut gefahren, eine gegenseitiges Vertrauen halte ich für wichtig.

Kostenfalle Folgekosten

Eine Webseite wird nie fertig, regelmäßig müssen Inhalte geändert oder neu eingestellt werden. Das Thema „Folgekosten“ kann ganz schnell zur Kostenfalle werden, wenn blindlings das supergünstige Sparpaket von „Peters Super-Webservice International“ gebucht wird. Hier fahre ich ein faires Modell: nach Fertigstellung der Seiten ist die Pflege, als Teil meiner Inklusivleistungen, ein halbes Jahr kostenlos.

Nach diesem Zeitraum pflege ich Seiten für die diejenigen, die das nicht selber machen können oder wollen, zu einem fairen Stundensatz von aktuell 49,- EUR (inklusive Mehrwertsteuer).

Fazit

Ich glaube, ich habe meinen Kunden etwas zu bieten: ein professionelles, modernes Design, Seiten, die im Netz gefunden werden und sich einfach „sehen lassen können“.

Ich erwarte im Gegenzug, dass ein potentieller Kunde bereit ist, für eine gute Leistung einen fairen Preis zu bezahlen. Zur Fairness gehört meinerseits, vorab möglichst exakte Angaben zu machen, was eine Leistung kosten wird.

Meine Preise sind, wie ich finde, angemessen und ehr im unteren Bereich des sonst üblichen angesiedelt; dies ist möglich, da ich als Freelancer keinen großen Wasserkopf in Form eines Verwaltungsapparates mitzufinanzieren habe.

Kommentare

Kommentare

  1. John schrieb:

    Das erinnert mich an mein Schul-Praktikum bei Grafikdesigner. Ein guter Teil der Arbeit bestand darin, mit dem Kunden eine passendes Design auszutüfteln, mit dem beide dann leben konnten. Oft war nämlich die Vorstellung des Kunden unrealistisch.

    • Grafikdesigner haben sicherlich ähnliche Problem wie Webdesigner, die Übergänge sind fließend. In meinem Artikel wollte ich aber kein Klagelied über die „Geiz ist geil“ – Leute anstimmen, hier gilt: „wer nur mit Peanuts bezahlt soll sich nachher nicht wundern, wenn nur Affen für ihn arbeiten“. Ich wollte hier erklären, warum ich mich entschieden habe, Preise für meine Webdesign-Leistungen zu nennen.

  2. John schrieb:

    Völlig verständlich. Wenn ich etwas kaufen will, interessiert mich natürlich auch erstmal, was das so kosten mag, und somit hat der Händler, der eine Preisangeb, selbst eine ungefähre hat, oft schon einen Vorteil. Schönen Blog hast du hier, übrigens.

  3. Rudolf Bösiger schrieb:

    Hallo Christian,

    Danke für deinen Beitrag. Das Thema Kostenkalkulation finde ich auch spannend. Ich widme mich der Problematik nämlich auch schon eine Weile und arbeite über mein Tool an einer Lösung. Eine schnelle Antwort auf die Frage, was eine Website kosten soll, gibt es im professionellen Webdesign nicht, darüber sind sich viele einig. Dennoch ist der Preis als Einstiegsfrage in ein Webprojekt extrem fruchtbar, insbesondere, wenn der Kunde nicht genau weiss, was er braucht, also Beratung braucht. Nichts bringt die ganze Komplexität einer Webproduktion besser auf den Punkt als der Preis.

    Dennoch ist der Preis bei Offerten selten Gegenstand der Verhandlung. Der Preis ist vielmehr dann die Lösung in Zahlen. Und weil jeder Kunde mit professionellen Ansprüchen an sein Webdesign eine eigene auf seine Situation zugeschnittene Lösung braucht, sind auch die Preise unterschiedlich. Firmen mit 5 Mio Umsatz werden für Ihre Website ein x-Faches mehr ausgeben als eine Einzelfirma mit 100 T Umsatz. Auch wenn die äusseren Anforderungen die gleichen sind, dann macht der Unterschied dann die Umsetzungsqualität aus.

    Viele Grüsse
    Rudolf Bösiger

    • Lieber Herr Bösiger,

      bitte nicht beleidigt sein, aber was wollten Sie denn genau sagen? Oder geht es nur darum, hier Werbung für Ihr Portal zu machen? Vielleicht habe ich mich ja auch nicht klar genug ausgedrückt, mir ging es in meinem Artikel um die Frage „Preise für Webdesign vorab nennen Ja oder Nein“. Ich habe mich für ein Ja entschieden und mein Vorgehen mittels Kostenrechner begründet, vielleicht finden Sie diesen zu „knapp“ und zu ungenau?

      Sätze wie „Weil jeder Kunde mit professionellen Ansprüchen an sein Webdesign eine eigene, auf seine Situation zugeschnittene Lösung braucht, sind auch die Preise unterschiedlich“ erinnern mich allerdings an eine gewisse Dame aus der Uckermark, die jetzt in Berlin solche Sprechblasen am laufenden Band produziert. Eine konkrete Aussage zu obiger Fragestellung konnte ich nicht finden, dafür recht viele Allgemeinplätze.

      Also, liebe Leser meines Blogs, lieber Herr Bösiger, ich bin weiterhin auf Ihre Meinungen zu diesem und den anderen Artikeln gespannt, aber bitte werden sie konkret! „Butter bei die Fische“ wie man hier im Ruhrgebiet sagt.

  4. Rudolf Bösiger schrieb:

    Hallo Christian. Nein, Werbung mache ich anderswo. Dann drück ich mich klar aus: Ihr Projektkalkulator-Ansatz bringt in der Praxis nichts. Auf jeden Fall nicht dort, wo professionelles Webdesign nachgefragt wird. Viele Grüsse.

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