Geschrieben von Christian Schnettelker

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Webdesign-Fehler, Folge 3: Introseiten

Ende der 90er und Anfang der 2000er Jahre waren sie „en vogue“: Introseiten, auch „Splashpages“ genannt, vorzugsweise mittels Flash realisiert. Auch ich hatte 2001/2002 für die Seite unserer damaligen Firma „Schallpark“ in Bochum auf Druck der Kollegen eine solches, die Besucher der Seiten belästigendes Intro gebastelt, ich gebe es zu. Das wichtigste Element einer solchen Seite war und ist der „Skip“ bzw. „Überspringen“- Link. Sie hat bei genauem Nachdenken auch nur Nachteile, welche im Folgenden in meiner Reihe „Webdesign-Fehler“ aufführe.

Flash-Intro

Nachteile

Die Idee einer Introseite ist: man möchte den Besucher mit einer fantastischen Animation beeindrucken, so nach dem Motto: „Booooah, was für eine tolle Firma habe ich denn hier entdeckt?!?!“. Dumm nur, dass das meist nicht klappt, denn eine wirklich beeindruckende Animation gelingt den Wenigsten, mir damals auch nicht. Meist sind diese „Animationen“ ehr peinlich und billig, im schlimmsten Falle handelte es sich vorgefertigte Module, bei denen man nur den Namen der Firma eintragen musste und die überall zu sehen waren.

Man erreicht also exakt das Gegenteil von dem, was beabsichtigt war, einfach nur peinlich. Selbst wenn eine einigermaßen gute Animation vorliegt hatte ein Besucher diese beim Wiederaufruf der Seiten doch schon gesehen und entnervt den Skip-Link betätigt.

Besonderer Nervfaktor, ideal zur Kundenabwehr: während des Intros wird ein bombastischer Sound abgespielt, der sich dann oft auch nicht abschalten lässt. Das kommt besonders gut, wenn man gerade nebenbei ein ruhiges Musikstück hört oder die Kollegen anhand des Audios genau wissen, auf welchen Seiten man sich jetzt wieder rumtreibt.

Zweiter Nachteil: der damalige und auch heutige Besucher sucht Informationen, eine Adresse vielleicht, Öffnungszeiten, Neuigkeiten, Treiber, Arbeitsbeispiele etc.. Eine Introseite verlängert diese Suche, mindestens um die Ladezeit der Animation und um die Suche nach dem „Skip“- Link. Das war Anfang des Jahrtausends insbesondere deshalb ärgerlich, weil viele sich damals noch mit einem quälend langsamen Modem ins Netz einwählten. Oft unterscheidet sich die „Bedienung“ der Animation dann auch noch vom Rest der Seite, sodass der Besucher innerhalb der Seiten umdenken muss.

Introseiten vermitteln meist auch den Eindruck, dass der Webseitenbetreiber mehr Gewicht auf sein Design und seine Darstellung legt als darauf, dem Besucher die gesuchten Informationen anzubieten.

Dritter, ganz böser Nachteil: Suchmaschinen „hassen“ Introseiten, da diese meist wenig bis keinen Text („Content“) beinhalten und in der Regel, wie bereits ausgeführt, in Flash realisiert sind, deren Inhalt die Suchmaschinen nicht indizieren. Ich könnte mir auch vorstellen, dass eine solche Seite das Ranking einer Präsenz negativ beeinflusst, dumm gelaufen. Im schlimmsten Fall ist dann auch noch der Skip-Link in Flash realisiert und die Suchmaschinen finden den eigentlichen Inhalt der folgenden Seiten erst gar nicht.

Vierter Nachteil: die Obstfirma hat 2010 beschlossen, Flash aus Sicherheitsgründen nicht mehr zu unterstützen, die Animation wird dort also gar nicht erst angezeigt. Auch soll es PC-Nutzer geben, die Flash per Plugin deaktiviert haben – in jedem Falle war die Arbeit komplett umsonst und entsprechende Fehlermeldungen verleiten in der Regel dazu, schnell woanders sein Glück zu versuchen. Etwas besser sind hier Lösungen in Javascript, doch auch dieses kann ausgeschaltet sein, was in der Regel einfach nicht berücksichtigt wird.

Vorteile

Mir fallen eigentlich nur zwei Vorteile ein: erstens kann ein gewissenloser, beutelschneidender Webdesigner kräftig an einer solchen Animation verdienen und zweitens sich der Inhaber der Firma beim Betrachten derselben stolz auf die Brust schlagen: Mein Haus, mein Auto, meine Pferdepflegerin und meine Webseite mit bombastischem Flash-Intro…

Fazit

Introseiten kann man inzwischen nur noch als „unglaublich out“ bezeichnen, sie sind heute gottseidank auch nur noch sehr selten zu sehen. Sparen Sie sich das Geld und die Zeit, investieren Sie diese lieber in gute Inhalte und hochwertige Bilder. Treffen Sie heute noch auf eine Firma, die ihre Seiten damit schmückt, können Sie beruhigt zu Konkurrenz wechseln, eine solche Firma wird Sie höchstwahrscheinlich auch auf den restlichen Seiten enttäuschen.

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Kommentare

Kommentare

  1. Michael Schmitt schrieb:

    Ich bin überrascht, dass sich das Thema „Introseite“ bis heute überhaupt noch gehalten hat. Alleine schon in Bezug auf SEO ist das m.E. ein absolutes K.O-Kriterium. Guter Artikel, weiter so!

    • Da haben Sie recht, eigentlich sollte heute keiner mehr auf die Idee kommen, eine Introseite zu erstellen. Ich habe dies eher der Vollständigkeit halber im Rahmen meiner Reihe „Webdesign-Fehler“ aufgeführt und aus dem Grunde, dass ich neulich tatsächlich noch über eine solche Seite gestolpert bin.

  2. Tanja schrieb:

    Hallo Herr Schnettelker, ich bin heute zum ersten Mal auf Ihren Seiten. Ihr Blog und Ihr Webauftritt gefallen mir gut und ich werde sicher wiederkommen.

    Zu Ihrem Artikel:

    Seiten, die ungebeten Audios abspielen, finde ich absolut nervig, und wenn man nicht mindestens die Audiodatei sofort abschalten kann, ist das für mich ein Grund, die Seite sofort wieder zu verlassen. Man wird sowieso schon ständig überall beschallt, neuerdings sogar in öffentlichen Verkehrsmitteln. Grausam! Ich möchte selbst entscheiden, wann ich wie laut welche Musik höre.

    Eine besonders widerliche Kategorie von Intro ist eine aggressive Werbung, mit der man sich zwingend auseinandersetzen muss, weil man sonst die Seite nicht betreten kann, so wie auf der Startseite des ***** Renderers (*************). Ich schätze zwar den ****** Renderer und werfe gern mal einen Blick in die Galerie, aber dieses Intro finde ich einfach nur abstoßend und höchst ärgerlich. Man fragt sich, warum ****** das jetzt plötzlich nötig hat. Ist die Konkurrenz zu stark geworden, oder ist einfach nur der Webdesigner ein bisschen ausgetickt? Ich kenne die Seite schon länger, das Intro ist neu. So etwas kommt offenbar gerade in Mode, ich habe das woanders auch schon gesehen. An alle Webdesigner und vor allem an deren Kunden, die das hier zufällig lesen: So vergrault man seine Besucher. Gerade für Werbung gilt: Weniger ist sehr häufig mehr.

    • Ja, diese Intro-Popups beim Aufruf einer Domain sind, ähnlich der klassischen Intro-Seite, ein Ärgernis, insbesondere für wiederkehrende Besucher. Es scheint mir hier eine Art von „Beratungsresistenz“ bzw. „Me To“-Herdentrieb vorzuliegen, sollte doch schon lange klar sein, dass diese „Layer-Popups“ die allermeisten Besucher nerven. Wie so oft denkt man nicht an den Kunden, sondern zuerst an sich selbst („ich bin toll“).

      Kleiner Hinweis: da ich hier niemanden direkt beleidigen möchte habe ich den Firmennamen und Link in Ihrem Kommentar ausgeblendet.

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