Geschrieben von Christian Schnettelker

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Webdesign-Fehler, Folge 5: Schlechtes Deutsch

Der fünfte Teil meiner kleinen Serie zu Fehlern im Webdesign behandelt etwas, was mir in den letzten Jahren zunehmend, insbesondere bei Facebook-Beiträgen und Zeitungskommentaren, aufgefallen ist: die Leute können oder wollen nicht mehr richtig schreiben. Oft nicht mal ansatzweise.
Webdesign-Fehler, Folge 5: Schlechtes Deutsch
Angefangen bei dramatischen Schwächen hinsichtlich Interpunktion über wirre Grammatik-Konstruktionen, schlicht falsch geschriebenen Wörtern, komplett falscher Groß- und Kleinschreibung bis hin zum fehlenden roten Faden findet sich alles, wofür man in der Schule höchstens ein „mangelhaft“ bekommen und meine Mutter mich tagelang zum Nachsitzen verdonnert hätte.

„Das Microsoft Windows Einfach mal Wieder Länger leben Läst und Vieleicht das Irgendwann mal Windows so Aussieht wie XP oder Win 7. Den Die Neue Versionen sind doch einfach nur scheiße . Win Vista wahr schon scheiße dann kam win 7 ok dann win 8 . 8.1 und jetz wieder ein Neues Windows glauben die eingeenlich die leute können das Geld was Microsoft dafür haben will Scheißen oder was . Ich bleibe bei win 7 den Anderen Schwachsin brauche ich nicht .“

(Beitrag eines offensichtlichen Schöngeistes und Romanciers zu einer Diskussion über Windows 9 in einem Computerforum. Ich zähle 38 Fehler in nur fünf Sätzen.)

Ist das bei flüchtigen Kommentaren oder Facebook-Postings schon schlimm genug, verewigt man seine eigene Unfähigkeit mit einem in schlechtem Deutsch geschriebenen Text auf der Internetseite und blamiert sich gleich weltweit. Toll!

Komm wir essen Opa

Diesen Spruch werden Sie vielleicht kennen, er lief in Rahmen einer Kampagne zur Rettung der Satzzeichen. Mit nur zwei Kommata ergibt der Satz als „Komm, wir essen, Opa!“ einen ganz anderen Sinn und zeigt, dass ein Komma schon sinnvoll und kein Relikt aus alten Tagen ist. Ich stelle auf zahlreichen Webseiten immer wieder fest, dass das Komma leider aus der Mode gekommen zu sein scheint.

Ein ganz dummer Mensch sagte mir mal: Aussehen entscheidet wer zusammen kommt und Charakter wer zusammen bleibt! ich sehe das bisschen anders aussehen entscheidet wer sich kennen lernt und Charakter wer zusammen kommt.

(Aus einem Chatprofil. Wenn ich richtig gezählt habe fehlen insgesamt fünf Kommata, zwei mal müsste ein Wort groß geschrieben sein. Anders gesagt: es gibt immer einen größeren Fisch respektive jemanden, der noch dümmer ist.)

Ein solchermaßen fehlerhafter Text verrät viel über den Autor und hinterlässt, zumindest bei mir, einen denkbar schlechten Eindruck.

Rechtschreib- und Flüchtigkeitsfehler

Der Klassiker, wenn man Texte selber schreibt und niemanden hat, der das Werk gegenliest: schnell hat man sich vertippt, sieht den Fehler selber aber nicht, da man ja weiß, was gesagt werden soll. Falls Sie zu dieser Art von Fehlern neigen sollten hilft nur das besagte Gegenlesen durch eine andere Person.

Hier macht es natürlich die Menge; ein oder zwei Tippfehler können schon mal passieren und sind kein großes Problem. Finden sich Fehler aber in jedem zweiten Satz fällt das wieder negativ auf den Autor zurück und untergräbt dessen Glaubwürdigkeit.

Manche Zeitgenossen machen es sich sowieso gerne möglichst einfach, auf Rechtschreibfehler angesprochen reagieren sie, statt für den Hinweise dankbar zu sein und die Fehler abzustellen, mit abgehalfterten Sprüchen wie „Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten“, welche sie dann unter ihr missratenes Werk stellen. Unheimlich cool…

Unprofessio-nell

Die Worttrennung, also das Aufteilen von Wörtern nach Silben, dient der besseren Raumausnutzung beim Zeilenumbruch und längeren Worten wie „Hochzeitsrücktrittskostenversicherung“ oder „Auslandsverwendungszuschlagsverordnung“.

Was zu Zeiten von Schreibmaschinen durchaus sinnvoll war ist heute eher kontraproduktiv, zumindest dann, wenn man an ein Responsive Webdesign denkt. Da man dabei nie sagen kann, wie breit der Textbereich letztlich ist, finden sich dann die Trennungen uU mitten in der Zeile, was fürchterlich unprofessionell aussieht.

Zweiter Fehler: vielen kann alles nicht schnell genug gehen, da wird ruck-zuck ein Text kopiert, möglicherweise ohne Erlaubnis und oft, ohne diesen zu überprüfen und ggf. vorhandene Worttrennungen zu entfernen. Hier stehen Trennungen dann ebenfalls regelmäßig an unpassender Stelle und outen den Webseitenbetreiber als üblen Plagiator und Stümper, den man lieber nicht glauben bzw. engagieren sollte. Unprofessio-nell!

Anmerkung: Zur Worttrennung gibt es inzwischen andere (technische) Möglichkeiten, siehe „Webdesign-Tipps 7: Silbentrennung im Browser“.

Frau Torfkopf

Auch das sollten Sie in der Schule gelernt haben, Wortwiederholungen sind extrem peinlich, wie dieses Beispiel eindrucksvoll zeigt:

Als Frau Torfkopf am Morgen Ihre Augen aufmachte, machte sie gleich einen kühnen Sprung aus dem Bett. Dabei machte sie soviel Lärm, dass sie ihren Mann wach machte.

Viel muss man dazu glaube ich nicht sagen. Wer so schreibt und älter als 12 Jahre ist, sollte es eigentlich lieber gleich lassen. Allermeistens bietet unsere schöne Sprache für jedes Wort mehrere Alternativen, und/oder man formuliert den Satz etwas um. Obiges Beispiel ließe sich sehr einfach wiefolgt verbessern:

Als Frau Torfkopf am Morgen Ihre Augen öffnete, tat sie gleich einen kühnen Sprung aus dem Bett. Dabei entstand jedoch soviel Lärm, dass ihr Mann aufwachte.

Ist das so schwer?

Doppelte Leerzeichen

Das „Problem“ doppelter Leerzeichen werden viele sicher als lächerlich betrachten, mir als Perfektionist fällt jedoch auch das negativ auf.

Irgendwie habe ich das Talent, solche Doppelleerzeichen, die meist beim Korrigieren oder Kürzen eines Textes entstehen, sofort zu erkennen; bei meinen Webseiten achte ich immer peinlichst darauf, diese zu entfernen, weil sie mich optisch stören. Falls Sie dieses Talent nicht haben, bietet sich eine Textsuche an, welche praktisch jeder Editor beherrscht.

So läuft das!

Das Setzen von zahlreichen Ausrufezeichen zählt zwar nicht unbedingt zu einer fehlerhaften Rechtschreibung, wohl aber zu einem schlechten Schreibstil. Weniger ist meist mehr, ein einzelnes Ausrufezeichen kann eine Meinung betonen, ein Zuviel macht diesen Effekt dann wieder zunichte. Beispiel aus einem Forum:

Im Grunde interessiert das niemanden mehr! Den Hausschlüssel beim Nachbarn zu lassen ist verpönt! Bloß nicht! Da ist doch für den Einbrecher schnell ausbaldowert, wie und wann er seine Tat beginnt! Und wenn der Hund bellt, fragt man nicht, warum, sondern sagt: „schon wieder der Köter“! So läuft das!

Das sieht nicht nur schrecklich aus, die gewünschte Wirkung verpufft total. Die Steigerung ist dann die Verwendung gleich mehrerer Ausrufezeichen, schrecklich!!!!!!!!!!

Face Pic Gibs Beim Anschreiben

Obiges Beispiel stellte jemand als Überschrift in sein Chatprofil. In diesem Falle sehe ich nur zwei Möglichkeiten: entweder verklagen Sie das für Sie zuständige Kulturministerium, oder, wahrscheinlich besser, schreiben Sie keine Texte, die ins Internet gestellt werden sollen. Schalten Sie stattdessen den HD-Verblödungsverstärker im Wohnzimmer an und zappen Sie, bis Sie wahlweise bei RTL, RTL2, SAT.1 oder ProSieben gelandet sind. Danke!

Höcksken und Stöcksken

Man kann handwerklich alles richtig machen und trotzdem einen Text in den Sand setzen. Nämlich dann, wenn Sie, wie man im Ruhrgebiet sagt, von „Höcksken auf Stöcksken“ kommen. Ein guter Text hat einen „roten Faden“. Hier hilft nur: üben, üben, üben. Und immer wieder lesen und verbessern.

Suchmaschinenrelevanz

Zur Motivation möchte ich noch anmerken, dass ein fehlerfreier Text inzwischen höchstwahrscheinlich wohl auch einen SEO-Faktor darstellt. Bzw. andersherum, offensichtlich falsch geschriebene Wörter scheint Google zu erkennen und bewertet diese, wobei davon auszugehen ist, dass diese Bewertung nicht unbedingt positiv ist. Zumindest mein SEO-Testprogramm meldet einige falsch geschriebene Wörter im Englischen und Deutschen, dann gehe ich davon aus, dass Google ähnlich verfahren wird.

Und: gute Texte werden häufiger verlinkt, niemand wird jedoch einen Link auf einen Text setzen, dessen Autor offensichtlich in der Schule nur Singen und Klatschen gelernt hat. Mehr Links = besseres Google-Ranking.

Fazit

Natürlich gibt es noch zahlreiche weitere Dinge, die man beim Schreiben eines Textes falsch machen kann („…die man mit dem Schreiben von einem Text falsch machen kann…“), hierzu verweise ich ausnahmsweise einmal auf die Mainstream-Presse und die unterhaltsame Spiegel-Kolumne „Zwiebelfisch“ sowie auf meinen Artikel „Die Apostrophenkatastrophe“.

Was ich unter dem Strich verdeutlichen möchte ist, dass ein gut geschriebener, möglichst fehlerfreier Text zu einer professionellen Webseite einfach dazugehört. Grenzen Sie sich damit von den ganzen Schwachmaten im Netz ab, welche entweder zu faul oder zu dumm sind, korrekte und gute Texte zu verfassen. Es lohnt sich!

Übrigens, auch ich bin natürlich nicht frei von Fehlern, wenn Sie einen solchen innerhalb meines Blogs oder meiner Webseite finden, bin ich für einen Hinweis immer dankbar!

Kommentare

Kommentare

  1. Tanja schrieb:

    Im letzten Absatz haben Sie „Schmachmaten“ statt „Schwachmaten“ geschrieben.

    Im übrigen finde ich Ihren Text amüsant und leider auch zutreffend. Ich bin auch nicht immer ganz sattelfest in der Rechtschreibung, aber wenn man im Internet kommentiert, kann man doch ohne großen Zeitaufwand im Online-Duden nachschlagen, wenn man sich unsicher ist.

    „Face Pic Gibs Beim Anschreiben“ habe ich übrigens erst nach dem dritten Mal Lesen verstanden. Na ja, man sollte dem Schreiber dieser Anmerkung wohl zugutehalten, dass sie auf Ihrer Seite aus dem Kontext gerissen und daher schwerer verständlich ist als in der originalen Umgebung.

  2. Stefan schrieb:

    „…und kann bis Ende 2014 nur in Ausnahmefällen neuen Aufträge annehmen.“ Siehe Folge 5! :-) Was ist ein Bot??????

  3. Codete schrieb:

    Danke fur teilen.

    • Gratulation, einen dümmeren Kommentar zu diesem Thema hätte man schwerlich abgeben können.

      Ich tippe auf einen Fremdsprachigen, der irgendwo im Ausland dafür bezahlt wird, in Blogs mittels translate.google.com so einen Mist hinein zu schmieren, um SEO-Links zu generieren.

      Wirft man translate.google.com für „Thanks for sharing“ an kommt exakt das dabei heraus. Umlaute kennt man in diesen fernen Ländern natürlich nicht und gelesen oder gar verstanden hat man auch nichts.

      Das ging mal wieder in die Hose, Freunde. Oder, um das Englische auch einmal so zu verhunzen: „Make you from the acker, with me is not good cherry eating!“

  4. nagel schrieb:

    … zählen Sie bitte die überflüssigen „auch“ in Ihren Texten. Erst die eigenen Fehler beseitigen, dann werden Ihre Ratschläge glaubhaft.

    Mit freundlichen Grüßen

    H. – J. Nagel

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