Geschrieben von Christian Schnettelker

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Vorsicht, Kekse!

Auch in Deutschland ist dank einer EU-Richtlinie der Cookie-Wahnsinn ausgebrochen; auf vielen Seiten müssen genervte Benutzer inzwischen lästige Banner mit vielsagenden Texten wie z.B.:

Cookies sind für die Bereitstellung unserer Dienste erforderlich. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.

bestätigen, die das Layout der Webseite stören bzw. zerstören.

Da meine Browser so eingestellt sind, dass diese alle Daten inklusive der Cookies beim Beenden löschen, habe ich jetzt das zweifelhafte Vergnügen, täglich immer wieder aufs Neue ca. 100 mal mit diesen Bannern belästigt zu werden, herzlichen Dank! Viele Webseitenbetreiber fragen sich nun, ob es auch für ihre Seite Handlungsbedarf gibt.

Wenn die Wölfe um Mitternacht den Mond anheulen fliegen die Tauben immer nach Westen

Nach Recherche zum Thema im Netz ist man meist noch verwirrter, also zuvor. Wie ich das verstehe…

  • hat Deutschland die entsprechende Richtlinie bisher gar nicht umgesetzt
  • betrifft dies in erster Linie die Werbetreibende Industrie, die Cookies erzeugt, die „technisch nicht notwendig“ sind
  • sind Shop-Systeme, die ohne Cookies gar nicht funktionieren würden, nicht betroffen
  • halten sich selbst die Raubanwälte mit Abmahnungen zurück, da die Texte schwammig formuliert und die rechtliche Situation unklar ist

Viele Banner haben wir wohl eher einem falschen Verständnis der Sachlage, „vorauseilenden Gehorsam“ bzw. dem Herdentrieb zu verdanken. Näheres zum Thema finden Sie beispielsweise unter „TIPP der Woche: Cookie-Banner: Unnötig oder verpflichtend?“.

Ich für meinen Teil bin extrem genervt und habe keinerlei Lust, hiermit meine Zeit zu vertrödeln. Da ich grundsätzlich davon ausgehe, dass die Benutzer nicht per se Schwachsinnig sind, besteht mE hier überhaupt kein Handlungsbedarf.

Jeder Benutzer kann seinen Browser problemlos so einstellen, dass dieser entweder keine Cookies annimmt oder vorab davor warnt. Diese Banner-Orgie wird nur dazu führen, dass einfach genervt weggeklickt wird.

Also haben wie es wieder einmal mit einer unüberlegten und überflüssigen Nanny-Regelung zu tun, die allen Beteiligten das Leben schwer macht, Webseiten verschandelt und zu keinerlei positiven Ergebnis führt. Toll!

Diese „Krümelmonster“ in den Brüsseler Elfenbeintürmen hätten sich, wenn sie hinsichtlich Datenschutz wirklich etwas bewegen wollten, lieber um die Machenschaften der NSA kümmern sollen, statt so einen unausgegorenen Blödsinn auszubrüten. Da traut man sich aber wohl nicht heran.

Vorsicht, Impressum!

Hinsichtlich meiner eigenen Seite verwende ich keine Cookies, höchstens Google Analytics, das ich eingebaut hatte, könnte irgendwie betroffen sein – so genau kann es momentan keiner sagen. Ich mache bei diesen Bannerwahn aber garantiert nicht mit und habe daher kurzerhand Analytics deaktiviert, bis irgendwann die Situation geklärt ist oder vielleicht jemand mit etwas Restverstand den Irrsinn beendet.

Auch musste ich sicherheitshalber innerhalb meines Blogs die Sweet Captcha-Lösung deaktivieren, da diese laut Ghostery selbsttätig Cookies anlegt, schade. Wie sollte ich auch beurteilen können, ob diese „technisch notwendig“ sind oder nicht?

Auch frage ich mich, wieviele Webseiten-Betreiber nicht bedacht haben, das Javascript ausgeschaltet sein könnte und der Banner in diesem Falle gar nicht „eingeblendet“ wird? Der Wahnsinn geht dann soweit, dass explizit davor gewarnt wird, die Links auf das Impressum und die Datenschutz-Hinweise mit dem Banner zu überdecken, da diese „ständig erreichbar sein müssen“.

Wie soll das bei einem responsiven Webdesign, wo die Anzeigegröße nicht bekannt ist, sicher funktionieren? Da tuen sich ganz neue Felder für Raubanwälte auf, habe wohl doch den Beruf verfehlt.

Heute stieß ich dann auch auf die erste Webseite, in der ein Cookie-Banner das komplette Navigationsmenü inklusive Namensangabe des Betreibers überlagert und eine Bedienung ohne Zustimmung unmöglich macht. Lustigerweise war dies die Webseite eines Anwalts – praktisch, der kann sich bei den kommenden Abmahnungen durch seine Kollegen gleich selber vertreten.

Merkeln

Mir und uns allen bleibt nur, zu „merkeln“, also nichts zu tun und abzuwarten, wie sich das entwickelt, um uns dann auch die richtige Seite zu schlagen. Ich befürchte allerdings, dass alles vorerst noch schlimmer wird, denn, wie schon die alten Römer wussten:

Pessima tempora plurimae leges
In schlechtesten Zeiten gibt es die meisten Gesetze

Habe mich notgedrungen auf der Seite einer Rechtsanwaltskanzlei in den dortigen Newsletter eingetragen, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Apropos, wie immer auch noch abschließend der Hinweis, dass ich kein Rechtsanwalt bin und die hier getätigten Aussagen nicht belastbar sind. Dies ist keine Rechtsberatung oder Handlungsaufforderung, es handelt sich hier ausschließlich um meine persönliche Meinung bzw. Schlussfolgerung.

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Kommentare

Kommentare

  1. Frank Sinning schrieb:

    Hier ein paar alternative Texte zu den Cookie-Hinweisen gegen Langeweile:

    Diese Webseite verwendet eine von uns entwickelte Schadsoftware, welche all ihre persönlichen Angaben sammelt, um sie dazu zu verwenden, sich anschließend möglichst effektiv an Ihrer Geldbörse zu bedienen. Alle diese gesammelten Daten werden zusätzlich an jeden, der sich dafür interessiert, möglichst gewinnbringend weiterverkauft. Wenn Sie damit nicht einverstanden sind, stört uns das auch nicht weiter, da sie mal wieder gar nicht gefragt werden und nur die Möglichkeit haben, auf OK zu klicken. OK?

    Durch die Benutzung dieser Website werden sich Ihre zukünftigen Ausgaben für unnützes Zeug auf das dreifache erhöhen. OK?

    Wenn ich schon nur eine Wahl habe, nämlich einverstanden zu sein, warum muss ich dann überhaupt noch klicken? Das Ganze kommt mir vor, wie ein durch Folter erzwungenes Geständnis.

    • Ich las kürzlich den folgenden, auch sehr kreativen Banner-Text:

      Diese Webseite verwendet sogenannte „Cookies“, um das Angebot für die Leser zu verbessern und um uns einige wenige Analysemöglichkeiten bezüglich unserer Besucherströme zu sichern. Wir gehen davon aus, dass Sie damit einverstanden sind! Die Genies der EU zwingen uns leider dazu, Sie unnötigerweise auf diese allgemein übliche und durchaus bekannte Praxis explizit hinzuweisen und ihre Zustimmung einzuholen. Vielleicht auch, um der Kaste der Abmahnanwälte für die kommenden Jahre ein relativ unkompliziertes Grundeinkommen zu sichern. Sie möchten jetzt abkürzen, weil es ihnen einfach zu langweilig wird? Bitte: Hau wech :-) … mehr Infos?

      Vielleicht entsteht hier ja eine neue Kunstform: „Cookie-Banner-Prosa“

  2. Frank Sinning schrieb:

    Besonders unangenehm ist diese Mitteilung auf einem Smartphone, wo sie den halben Bildschirm verdeckt. Ich habe mir angewöhnt, auf dem Smartphone Webseiten mit diesem Hinweis sofort wieder zu verlassen. Auf einem großen Monitor ignoriere ihn, solange die Webseite trotzdem benutzbar bleibt. Wenn nicht, verlasse ich diese auch hier. Auf keinen Fall klicke ich auf OK, wenn ich es nicht OK finde.

  3. Frank Sinning schrieb:

    Das Verhalten, stumpf auf jedes OK-Feld zu klicken, welches auf dem Bildschirm erscheint, würde ich als „Sheepness“ bezeichnen.

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