Geschrieben von Christian Schnettelker

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Von SEO, dem Vollmond und schwarzen Katzen

Noch immer werde ich praktisch täglich durch meinen recht gut positionierten Blog von sogenannten „SEO-Kommentaren“ belästigt. Diese „Kommentare“ stammen von Leuten, die nur aus einem Grunde selbigen unterhalb der Artikels hinterlassen, nämlich dem, einen Backlink auf ihre Seite abzugreifen um die eigene Linkpopularität zu erhöhen.
Vollmond
Aus zwei Gründen ist das in meinem Blog reine Zeitverschwendung:

1. Alle Links innerhalb der Kommentare sind nofollow und bringen also keine oder nur minimale Vorteile für das Linkziel – andernfalls wäre ich wohl den ganzen Tag lang damit beschäftigt, solche Texte zu löschen.

2. Ich merke sofort, ob jemand den Artikel überhaupt gelesen hat, meist wird kurzerhand ein Satz mit zahlreichen Rechtschreibfehlern und / oder „Nachts ist es dunkel“- Allgemeinplätzen heruntergeschmiert. Oft hat man mit Grammatik auch bisher eher weniger Erfahrungen gemacht oder ist, wie im Falle heute, sogar diesbezüglich abenteuerlich unterbelichtet.

Kurz gesagt: der ganze SEO-Müll wandert sowieso ohne weiteres Nachdenken direkt in den digitalen Papierkorb, die Zeit können Sie sich sparen.

Wenn Sie meine Artikel kommentieren möchten dann machen Sie sich bitte die Mühe, den Text vollständig zu lesen und etwas Sinnvolles in gutem Deutsch anzumerken. Solche Kommentare lasse ich selbstverständlich stehen, auch wenn diese von einer SEO-Agentur stammen.

Voodoo

Habe mir heute die Webseite eines dieser „Spammer“ einmal näher angeschaut. Der sinnfreie Kommentar inklusive Yoda-Grammatik kam diesmal von einer sogenannten „SEO-Agentur“, das sind Firmen, die Webseiten nicht direkt erstellen, sondern den Betreiber einer meist schon bestehenden Webseite hinsichtlich der Suchmaschinenpositionierung kostenpflichtig beraten.

Naja, eigentlich sollte ein guter Webdesigner das Einschalten einer zusätzlichen SEO-Agentur zumindest in Fragen der Onpage-Optimierung überflüssig machen aber sei es drum, ich möchte diesen Leuten Ihr Geschäft gar nicht absprechen.

Also, Test Nummer eins: Ermittlung des SEO-Scores dieser angeblichen Experten-Agentur mit behandlungsbedürftiger Grammatikschwäche. Wieder einmal kräuselten sich mir die Fußnägel, man erreichte hier lächerliche 56% und gerade einmal gelb (ausreichend). Natürlich toll, wenn man nicht mal in der Lage ist, seine eigene Seite „Onpage“ so zu optimieren, dass diese mindestens 80% (grün) erreicht.

Wenn schon das nicht klappt frage ich mich, wie denn dann die vollmundig angepriesene SEO-Beratung aussehen wird. Da kann man mE das Geld auch gleich einem Voodoo-Zauberer überlassen, der die Seiten bei Vollmond unter einer alten Eiche mit dem Blut einer schwarzen Katze gesundbetet.

So begeht besagte SEO-Expertenagentur beispielsweise den Kardinalfehler, seine Seite nicht mittels Eintrags in der .htaccess gegen „Duplicate Content“ abzusichern, die Seiten sind mit und ohne www. zu erreichen, was Google gnadenlos abstraft.

Ist es zuviel verlangt, dass eine Suchmaschinen-Agentur im Jahre 2014 diese Zusammenhänge kennt? Ist es zuviel verlangt, seine eigene Seite mittels der zahlreichen SEO-Tools, die im Netz kostenlos angeboten werden, einmal durchzuchecken?

Stört nicht beim Bügeln

Test Nummer zwei: die Optik der Seite. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht (bzw. vortrefflich) streiten, ich finde die Seiten jener Agentur einfach nur langweilig.

Kein Pfiff, 08/15-Fotos vom 60er-Jahre Hochzeitsfotographen um die Ecke, triste Herbstfarben Marke modernes Laub – „stört nicht beim Bügeln“ sagt man in der Musikindustrie für ein solches halbwegs gefälliges, aber belangloses und sofort wieder vergessenes Werk. Ich neige da meist zum selbst kreierten Wortneuschöpfung „Umsatzsteuervoranmeldungslayout“. Aber bitte, das ist Geschmackssache, vielleicht gefällt es einigen ja sogar.

Test Nummer drei: die Technik der Seite. Natürlich gibt es KEIN Responsive Webdesign, das ist von einer professionellen SEO-Agentur im Jahre 2014 (fast 2015) auch wirklich zuviel verlangt. Aus mir völlig unverständlichen Gründen preist man gleichzeitig auf einer der Unterseiten die Vorzüge eines an mobile Endgeräte angepassten Designs – handelt demnach konträr zu den eigenen Empfehlungen.

Der Titel sollte kürzer als 77 Zeichen sein. Er hat zur Zeit 296 Zeichen.

Dann dachte ich mir, machst Du mal einen kurzen Test dieser Agenturen, ich prüfte also die ersten 10 Ergebnisse von Google zum Suchbegriff „SEO Agentur“ nach dem SEO-Score der Startseite. Hier das ernüchternde Ergebnis, um keinen Ärger mit blutsaugenden Anwälten zu bekommen nenne ich nur die Heimatstadt der jeweiligen Agentur:

Köln – 85% (grün)
Essen – 34% (gelb)
Velbert – 65% (gelb)
München – 54% (gelb)
Berlin – 71% (gelb)
Stuttgart – 68% (gelb)
Berlin – 84% (grün)
Düsseldorf – 81% (grün)
Mahlow – 77% (gelb)
Düsseldorf – 55% (gelb)

Nur drei von zehn sogenannten SEO-Agenturen erreichten überhaupt einen grünen Wert, der Rest ist hinsichtlich ihrer Kernkompetenz höchstens ausreichend aufgestellt. Na klasse. Immerhin war keine der Agenturen im roten Bereich, die finden sich dann wahrscheinlich ab Seite drei.

Der Score meiner Seite liegt übrigens bei 96%, ohne das ich die Hilfe einer externen Agentur benötigt hätte. Vielleicht sollte ich diesen Firmen eine Beratung hinsichtlich SEO-Optimierung anbieten…?

Nochmal zur Klarstellung: natürlich gibt es in jeder Agentur Kunden, die „beratungsresistent“ sind, viel zu wenig Content liefern und wo sich dadurch und durch andere Faktoren die Webseite nur schwer optimieren lässt – schon klar. In den von mir oben getesteten Seiten handelt es sich aber um die Agenturseite selber, die man denke ich sehr wohl würde verbessern könnte, wenn das Fachwissen, das diese Leute zu verkaufen angeben, auch eingesetzt würde.

Oder kurz: man hat bestenfalls lückenhafte Kenntnisse von SEO, ist völlig unorganisiert, hat seine Hausaufgaben nicht gemacht und möchte sich nun „durchschmuggeln“ bzw. mittels SPAM-Kommentare die eigene Firma vor dem Besuch von Peter Zwegat retten.

Fazit

Nochmal zurück zur SPAM-Agentur mit optimierter Grammatikschwäche: Lieber Herr SEO-Agenturinhaber, statt anderen Leuten den Kommentarbereich zuzumüllen setzen Sie sich doch bitte zusammen mit ihrer blonden Mitarbeiterin ein paar Wochen auf den Hosenboden, bringen Sie Ihre Webseite optisch, technisch und hinsichtlich Onpage-Faktoren auf Vordermann, dann klappt es aller Wahrscheinlichkeit nach auch in ein paar Monaten mit den Kunden.

Und lesen Sie ein mal einen Schwung Bücher statt die Freizeit beim Unterschichten-TV zu vertrödeln, das verbessert effektiv Ihre ausbaufähigen Grammatikkenntnisse. Dieses Vorgehen hätte wirklich viele Vorteile: sie schonen meine und die Nerven anderer Blogger, verdienen endlich Geld und retten nebenbei auch noch zahlreichen unschuldigen Katzen das Leben.

Ich befürchte allerdings, meine Worte fallen ins Leere, dieser Typus Mensch wird meinen wohlgemeinten Aufruf nicht lesen und daher wahrscheinlich nichts dergleichen tun.

Ich habe festgestellt, dass diese Copy & Paste-Kommentarspammer in der Regel nie zum Tatort ihres Verbrechens zurückkommen, das ist denen zuviel Arbeit und da sie meist hoffnungslos unorganisiert sind, haben die sich auch nicht notiert, wann und wo sie bereits ihren Müll abgeladen haben.

Aber was solls, gehe jetzt mal einen trinken und den Mond anheulen, gute Nacht!

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Allgemeiner Hinweis: Bitte kommentieren Sie zum Thema unter Vermeidung von Allgemeinplätzen. Eine gute Rechtschreibung sollte selbstverständlich sein.

Hinweis für SEO-Kommentarschreiber: alle Links sind nofollow und steigern Eure Linkpopularität nicht. Offensichtliche SEO-Kommentare werden nicht oder in anonymisierter Form veröffentlicht.