Geschrieben von Christian Schnettelker

Schlagwörter:

Studie über fehlende Internetpräsenz

Kürzlich erreichte mich eine Anfrage, die Studie zum Thema „Eine fehlende Internetpräsenz kostet Firmen bares Geld“ in meinem Blog zu erwähnen – dem will ich gerne nachkomme. Neben der sicher einleuchtenden These, dass die allermeisten Firmen, die 2013 immer noch ohne Webauftritt dastehen, auf Aufträge und Kunden verzichten, beschäftigt sich besagte Studie mit den diesbezüglichen Gründen.

Das Thema passt also genau zu meinem Blog, deshalb heute ein paar Anmerkungen dazu.
Moderne Tastatur

Zur Form

Die Studie wird optisch modern präsentiert, die Aussagen durch nette Illustrationen unterstrichen, der Text ist nicht zu lang und gut geschrieben. Es fehlt allerdings jeglicher Hinweis, wie man zu den dort genannten Thesen und Schlussfolgerungen gelangte, von daher betrachte ich den Text mehr als persönliche Meinung der beteiligten Personen, basierend auf deren Erfahrungen.

Die Gliederung hätte ich teilweise stringenter gestaltet, aber sei’s drum, im Kern sehe ich das insgesamt auch so.

Definitionsfrage

Mir fehlt im Text eine einleitende Definition, was denn unter einer „Firmen-Homepage“ genau verstanden wird. Ich kenne zahlreiche Firmen und Personen, die zwar von der Technik her gesehen eine Art „Homepage“ besitzen, diese ist aber aus verschiedenen Gründen eher kontraproduktiv ist und mehr so etwas wie eine „Einrichtung zur Kundenabwehr“ darstellt: nicht aktuelle Daten, billiges Layout mit peinlichen Animationen, schlecht geschriebener Text voller Rechtschreibfehler, grelle Farben, mieses Schriftbild… Die Studie schreibt dazu:

Bekommt der Kunde den Eindruck, dass er vor einer „Bastlerseite“ sitzt; ist er schnell wieder weg. Websites, die veraltet sind, nicht funktionieren oder vor Schreibfehlern nur so strotzen, untergraben die Seriosität einer Firma. Wer sich nach außen schlecht präsentiert, verliert Vertrauen und die Kompetenz, das Problem des Kunden lösen zu können.

Das kann ich nur unterstreichen. Meine Definition einer Firmen-Homepage wäre eine informative, optisch ansprechend gestaltete Seite, vorzugsweise mit (guten) Bildern. Wie ich mir persönlich eine perfekte Webseite vorstelle habe ich ja kürzlich in einem meiner Artikel beschrieben. Nimmt man diese Definition als Maßstab, dürfte das Verhältnis Kunden mit/ohne Homepage hierzulande noch desaströser aussehen.

Grundaussage

Ich glaube, den allermeisten wird heutzutage die Wichtigkeit einer gute Firmen-Homepage klar sein. Die Studie unterstreicht dies nochmals mit Aussagen wie

Heutzutage schaut gerade die jüngere Generation nicht mehr ins Telefonbuch

Diese Feststellung höre ich auch immer wieder von meinen Kunden, der schnelle Blicks ins Netz via PC oder Smartphone ersetzt zunehmend die persönliche Empfehlung und den Griff zu den Branchenbüchern.

Selbst aufgrund einer persönlichen Empfehlung, beispielsweise der eines Arztes, wird anschließend ins Netz geschaut und sich dort ein Bild anhand der Homepage gemacht – man geht wie selbstverständlich davon aus, dass diese existiert, aktuell und professionell ist. Trifft das nicht zu macht das Geschäft jemand anderes, so einfach ist das. Wer das heute immer noch nicht kapiert hat oder nicht glauben möchte, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.

Also, über den Sinn und Zweck einer Firmenseite im Netz brauchen wir heute meines Erachtens als gar nicht mehr zu diskutieren. Viel wichtiger erscheint mir, warum es damit so oft nicht recht klappen will.

Gründe für eine fehlende Firmen-Homepage

Als Gründe dafür, dass, laut Studie, jedes sechste Unternehmen keine eigene Webseite besitzt, werden hauptsächlich folgende genannt:

  • Schneller Internet-Anschluss fehlt
  • Ein Internetseite ist aus subjektiver Firmensicht zu kostenintensiv
  • Sorge vor rechtlicher Unsicherheit
  • Motto: „Ich bin gut und brauche keine Werbung“

Das sind sicherlich berechtigte Annahmen, auch wenn ich persönlich eine andere Reihenfolge gewählt hätte. Da ich seit langen Jahren im direkten Kundengespräch stehe und selber lange Angestellter war traue ich mir zu, auch ein paar andere Zusammenhänge zu nennen, die in der Studie fehlen bzw. nicht herausgestrichen werden:

„Ich kenne da jemanden…“

Der Klassiker unter den Gründen, warum es mit einer Homepage, gerade bei kleinerer Firmen, nicht klappt. Irgendjemand kennt jemanden, vielleicht den Sohn des Chefs oder einen Bekannten eines Freundes, der „sowas schon mal gemacht hat“. Dieser wird dann für kleinste Münze engagiert und liefert in den allermeisten Fällen eine kontraproduktive Seite (siehe oben) ab. Allen Beteiligten ist die neue Seite eher unangenehm und vielleicht sogar peinlich, das Werk wird totgeschwiegen und vergessen.

Einige Zeit später, es können dabei durchaus mehrere Jahre vergehen, melden sich Kunden mit „was habt Ihr denn da für eine Homepage im Netz, die ist ja total veraltet“. Der Ersteller der Seiten ist aber inzwischen Busfahrer, Bankberater oder unbekannt verzogen, die supergünstige Webagentur geschlossen, der Ersteller also nicht mehr für Korrekturen und Aktualisierungen greifbar. Erst zu diesem Zeitpunkt werden professionelle Alternativen in Erwägung gezogen.

Gigantomanie

Grund Nummer zwei für das Scheitern: statt klein mit realisierbaren Zielen anzufangen wird in einem Meeting eine überdimensionale Webseite geplant, in der direkt „alles drin“ sein soll. Man will das Thema mit einem einzigen Kraftakt erschlagen und dann „Ruhe davor haben“.

Jeder Beteiligte möchte sich einbringen und so wächst der virtuelle Umfang des Projektes schnell weit über das Realisierbare hinaus. Nach einen paar Kostenvoranschlägen von Web-Agenturen, von denen nicht wenige das Vorhaben aus Eigeninteresse weiter aufblähen, wird das Projekt aufgrund der zu erwartenden Kosten erst mal auf Eis gelegt.

Die Thematik der Gigantomanie hatte ich bereits in meinem Artikel „Kölner Dom oder Kapelle“ behandelt, sie ist nach wie vor aktuell, wie meine Gespräche mit Kunden zeigen. Auch hier wieder: erst, nachdem der Druck mit Aussagen wie „Wo kann ich das im Netz nachlesen? Wie, Sie haben keine Homepage?“ zu groß wird werden erreichbare Ziele gesteckt und vernünftig gehandelt.

Oft genug verbleiben diese „Kölner Dom-Webseiten“ auch einfach im Baustellen-Status; ein Großteil der Seiten bestehen aus hilfreichen Texten wie „Inhalt folgt“ und „Wir arbeiten dran“. Da der Alltag und andere Projekte drängen verliert man die Lust und den Überblick, der fehlende Content wird auch nachträglich nicht geliefert und irgendwann die Seite schlicht aufgegeben.

Die sich selbst ausbeutenden Single-Selbstständigen

In unserer heutigen, hektischen Welt stehen insbesondere Single-Selbstständige im „Dauerfeuer“: Aufträge müssen herangeholt und realisiert werden, das Finanzamt, Banken, Statistikbehörden, IHK, GEZ, Krankenkasse etc. gängeln sie mit einer ausufernden Bürokratie, während die Kunden – selber im Hamsterrad gefangen – möglichst wenig bis gar nichts bezahlen wollen. Obwohl diesen Leuten durchaus bewusst ist, wie wichtig gerade für sie eine gute Webseite wäre, versanden diesbezügliche Bemühungen im Alltag.*

Ganz oft ist es aber bei dieser Personengruppe, wie die Studie richtig bemerkt, schlicht einfach das Geld; nachdem Finanzamt, Krankenkasse, GEZ, IHK, Stromversorger, Versicherungen und TK-Unternehmen zugeschlagen haben bleibt immer weniger zum Leben, wie soll man da noch in so etwas nicht greifbares wie eine Internetseite investieren? Stattdessen wird, wenn überhaupt, am Wochenende schnell eine Word-Seite zusammengezimmert und hochgeladen, das muss reichen…

Noch zwei Anmerkungen zu den aufgeführten Gründen der Studie

Zwei der in obiger Studie genannten Gründe, warum Firmen vor der Realisierung einer Homepage zurückschrecken, sehe ich etwas anders. Ich glaube nicht so recht, dass das Fehlen einer einigermaßen schnellen Internetverbindung heute noch ein wirkliches Problem darstellt. Da uns „Vater“ Staat mehr und mehr zwingt, Unterlagen wie Steuererklärungen, Umsatzsteuervoranmeldungen etc. online abzugeben, ist eine Firma ohne einen solchen Anschluss seit längerem sowieso ziemlich aufgeschmissen und entweder umgezogen oder abgewickelt.

Soweit ich informiert bin mag eine Internetverbindung auf dem Lande vielleicht langsamer oder gar deutlich langsamer sein als in der Großstadt, trotzdem dürfte diese zumindest für den Abruf von Internetseiten halbwegs nutzbar sein.

Auch der Grund „rechtliche Unsicherheit“ mag ich nur zum Teil gelten lassen. Viele haben zwar schon von Horrorgeschichten über Abmahnungen gehört und ein unangenehmes Gefühl, der Druck eine Homepage einzurichten, ist aber meist größer als die Angst, abgemahnt zu werden.

Das Thema „Rechtssicherheit“ kommt nach meinen Erfahrungen erst später, entweder, wenn der Schaden bereits eingetreten ist oder nachträglich zusätzliche Bilder und Karten eingebunden werden sollen stellt man solche Fragen. Die Kunden gehen erst einmal davon aus, dass der Dienstleister oder Beauftragte „schon alles richtig machen wird“.

Fazit

Die vorgestellte Studie ist interessant und ein Denkanstoß, ein Lesen lohnt sich, allerdings werden einige von mir genannte Punkte leider nicht oder nur am Rande thematisiert. Vielleicht mag das alles meine subjektive Erfahrung und Sicht der Dinge sein, die auf andere nicht zutreffen, durchaus möglich. Allerdings glaube ich, dass ich, nach inzwischen zwölf Jahren im Webdesign-Geschäft, auch etwas Erfahrung gesammelt zu haben. Bitte bilden Sie sich einfach Ihre eigene Meinung.

Trotz dieser und hunderttausend anderer Studien, trotz vieler Blog-Artikel zu gutem Webdesign werden viele Firmen weiterhin Lehrgeld in Form peinlicher, zusammengefrickelter Seiten bezahlen, die aus meiner Sicht wichtigsten Gründe dafür habe ich oben genannt. Mit meiner Firma versuche ich jedenfalls, den Leuten, die mich gefunden haben, in Sachen Internet-Seiten einen bestmöglichen, fairen, bezahlbaren Service zu bieten und das Scheitern im Netz durch Erfahrung und Beratung zu vermeiden.

_________________________________________________________
* An dieser Stelle setzt übrigens der Praxishomepageservice von Mediteam und der LGNW an, indem er die Mitglieder durch einen professionellen Service die Arbeiten zur Erstellung einer guten Homepage abnimmt und auch eine zeitnahe, unkomplizierte Pflege gewährleistet.

Kommentare

Kommentare

  1. Bea Brünning schrieb:

    Also das mit dem langsamen Internet kann ich nur unterstreichen. Vielleicht variiert das auch von Stadt zu Land; aber ich arbeite mit vielen Firmen zusammen, die quasi beim Aufbau der Seite erstmal nen Kaffee holen müssen.
    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/alte-anschluesse-jedes-zehnte-unternehmen-hat-kein-schnelles-internet/8668364.html

  2. John schrieb:

    Es kommt auch wirklich auf die Zielgruppe an, der man seine Leistungen verkauft. Je mehr die Internet-Affin ist, desto wichtiger wird da eine Seite. Aber einfach eine kleine Visitenkarte, über die man gefunden und kontaktiert wird, kann vermutlich niemandem schaden.

Kommentar schreiben

Allgemeiner Hinweis: Bitte kommentieren Sie zum Thema unter Vermeidung von Allgemeinplätzen. Eine gute Rechtschreibung sollte selbstverständlich sein.

Hinweis für SEO-Kommentarschreiber: alle Links sind nofollow und steigern Eure Linkpopularität nicht. Offensichtliche SEO-Kommentare werden nicht oder in anonymisierter Form veröffentlicht.