Geschrieben von Christian Schnettelker

SEPA – Zwischenfazit

Der Frühling hat begonnen, es ist inzwischen Ende März und die Zwangs-Umstellung auf SEPA zum 01.02.2014 nun schon einige Tage her – Zeit für ein kurzes Zwischenfazit.

Fünf Feststellungen

Feststellung eins: Es gab keinerlei merklichen „Aufschrei“ bei den Bankkunden, vielleicht hat sich die Bevölkerung schon an derlei fragwürdige Maßnahmen gewöhnt und erträgt nun alles in einer Art von Phlegmatismus. Stichwort: „Man kann ja sowieso nichts ändern“.

Feststellung zwei: die Taktik, die endgültige Einführung von SEPA um sechs Monate zu verschieben, scheint funktioniert zu haben, es wurde damit „viel Druck aus dem Kessel genommen“. Konkret haben wir bei den Umstellungen, an denen ich beteiligt bin, fünf Banken, die nach wie vor Lastschriften im DTAUS-Format annehmen, während eine sechste seit dem 01.02. nur noch das XML-Format akzeptiert.

Da die eingesetzte Abrechnungssoftware immer noch nicht SEPA-fähig ist wurde das Problem vorerst mit einem Konverter gelöst, welcher die Dateien von DTAUS nach XML umwandelt. Also: mehr Arbeit bei gleichem Ergebnis.

Feststellung drei: ab und zu ist SEPA und insbesondere die IBAN schon praktisch, man kann die IBAN einfach aus einer Email kopieren und in ein Überweisungsformular einsetzen. Durch die Prüfsumme sind „Vertipper“ schnell zu erkennen.

Feststellung vier: viele Online-Händler sind dazu übergegangen, erst gar nicht mehr die Möglichkeit anzubieten, dass ein Betrag abgebucht wird. Stattdessen ist dort oft nur noch die Zahlung per Vorabüberweisung, Sofortüberweisung oder Zahlung auf Rechnung möglich. Ein klarer Rückschritt.

Feststellung fünf: die Gebühren für die Einrichtung der SEPA-Firmenlastschriftmandate haben die Unternehmen wohl zähneknirschend akzeptiert oder diese durch einen Verzicht auf die Vergabe von Firmenlastschriftmandaten umgangen.

Neue mögliche Falle

Neu für mich ist die Überlegung, dass man mit einer „falschen“ Lastschrift über ein Firmenlastschriftmandat eine Firma ganz schön in Schwierigkeiten bringen kann. Ist der Betrag nämlich erst einmal abgebucht gibt es für den Kunden nun dank SEPA keine Möglichkeit mehr, über die Bank einen fehlerhaften Betrag zurück zu fordern. In diesem Falle hilft nur auf eine schnelle Rücküberweisung zu hoffen oder zu klagen.

Wenn Ihr Lieferant, z.B. durch einen unglücklichen Kommafehler, statt 678,50 EUR den Betrag von 67.850,- EUR abbucht haben Sie ein gewaltiges Problem. Das Finanzamt, welches kurz darauf die Umsatzsteuervorauszahlung mangels Deckung nicht abbuchen kann, wird Ihnen mit Sicherheit keinerlei Verständnis für Ihre bedauerliche Situation entgegenbringen und so deftige Zinsen aufschlagen, von denen Sie bei einem Tagesgeldkonto nur träumen können.

Ich kann es nicht mehr hören!

Ein Schritt vor und zwei zurück – was für ein Aufwand für so wenig Nutzen. Eine Reihe von Softwarefirmen und EDV-Beratern haben eine Menge Geld mit der SEPA-Umstellung verdient, es sei ihnen vergönnt. Hätte man die leidige Mandatsverwaltung weggelassen wäre diese Umstellung wohl kein großes Problem gewesen. Da das aber nicht der Fall ist dürfen wir uns als die Letzten, die bekanntlich immer die Hunde beißen, von nun ab den Rest unseres fiskalischen Lebens mit Gläubiger-IDs und Mandatsreferenznummern rumärgern. Wie sagt eine Kollegin neulich zu SEPA: „Ich kann es nicht mehr hören!“.

Vorbei sind die unkomplizierten Zeiten, wo man einfach online eine Bankverbindung angeben konnte und der Rechnungsbetrag wurde abgebucht. Stattdessen muss das Meiste vorab überwiesen oder selbst kleinste Beträge innerhalb kurzer Zahlungsfristen beglichen werden. Immerhin können Sie aber die IBAN kopieren, also klagen Sie nicht, das nennt sich halt Fortschritt…

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