Geschrieben von Christian Schnettelker

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Das SEPA-Abo

Den folgenden Text sollten insbesondere Firmeninhaber genau lesen, die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass auch Sie betroffen sind.

SEPA-Gebühren möglich

Kostenschock

Gestern kam die Geschäftsführerin der Nachbarfirma aufgeregt in mein Büro und zeigte mir den Ausdruck der letzten Buchungen ihres Geschäftskontos. Ihre Hausbank hat für die Einrichtung dreier „SEPA B2B-Mandate“ (also SEPA-Firmenlastschrift-Mandate) jeweils 7,50 EUR in Rechnung gestellt.

Nun gut dachten wir zuerst, ärgerlich, was will man auch anderes von den blutsaugenden, nimmersatten Bankstern erwarten. Wie bei der Einführung des unsäglichen Euros nutzt man mal wieder die Gelegenheit und die allgemeine Verwirrung, um Kasse zu machen.

Nach einer Recherche im Internet stellte sich dann aber heraus, dass diese „SEPA-Gebühr“ nicht nur pro SEPA-Firmenlastschrift-Mandat, sondern auch jährlich fällig wird! Das bedeutet, dass mit jedem SEPA-Firmenlastschrift-Mandat, welches Sie in den letzten Monaten ausgefüllt und auf eigene Kosten an den Geschäftspartner zurückgeschickt haben, gleichzeitig möglicherweise (abhängig von Ihrer Bank) und ohne Ihr Wissen eine Art kostenpflichtiges, jährliches „Abo“ über Betrag x abgeschlossen wurde!

Klarstellung

Zur Klarstellung, im Moment, wo ich dieses schreibe, ist diese Vorgehensweise nur für die Hausbank der Nachbarfirma und nur für SEPA-Firmenlastschriften bestätigt. Ich könnte mir aber sehr gut vorstellen, dass auch andere Banken auf diese Idee kommen / kamen und das möglicherweise woanders auch die Basislastschriften betroffen sind.

Die Folgen…

Damit hat der absurdistanische SEPA-Wahnsinn hierzulande meines Erachtens einen neuen Höhepunkt erreicht. Stellen Sie sich einmal vor, Sie haben als Firma Webspace für 10 EUR jährlich gemietet, der Betrag wird einmal im Jahr abgebucht. Wenn Sie ein SEPA-Firmenlastschrift-Mandat an den Webhoster vergeben kostet Sie dieser Webspace – wie gesagt je nach Bank – unter Umständen zukünftig dann 17,50 EUR oder mehr…

Gleichzeitig wurden Sie aber an keiner Stelle auf diese Kosten aufmerksam gemacht. Der Webhoster kann das nicht wissen, die Bank wird auf ihr Kleingedrucktes verweisen und die staatlichen Stellen preisen die Einführung von SEPA sogar damit, dass Bankgebühren sinken sollen. Ich bin kein Jurist, aber es stellt sich mE auch die Frage, ob diese Vorgehensweise rechtlich haltbar ist, da man unwissentlich eine Art Abonnement eingeht.

Die Auswirkungen dieser „SEPA-Gebühr“ wage ich noch gar nicht abzuschätzen. Jede Firma wird zukünftig überlegen und nachrechnen müssen, ob ein Mandat vergeben werden soll. Viele werden aufgrund der Kosten kein Mandat vergeben und nur noch auf Rechnung zahlen, damit steuert das Rechnungswesen in Absurdistan schweren Zeiten entgegen.

Ich habe, in Absprache mit der Geschäftsführerin der Nachbarfirma, inzwischen die Presse über das Vorgehen der Hausbank informiert und warte auf eine Rückmeldung, Wenn es Neues dazu gibt erfahren Sie es hier.

Nachtrag vom 01. November 2013

Die Nachfrage bei einer anderen Bank hier in Essen ergab, dass diese angeblich keine derartigen Gebühren verlangt. Eine Bank in Mönchengladbach widerrum nimmt happige 15,- EUR für die Einrichtung eines Firmenlastschriftmandats, diese Kosten fallen aber nach Angabe der Bank nur einmalig an. Also Wild-West, es scheint keine allgemeinen Regeln zu geben. Erkundigen Sie sich bei Ihrer „Kreditanstalt“, wie diese Sie ggf. alsbald „zur Ader lassen“ gedenkt.

Nachtrag vom 06. November 2013

Inzwischen taucht das Thema auch im Netz auf, siehe hier:
test.de/Ueberweisung-und-Lastschrift-Die-neuen-Regeln-fuer-den-Zahlungsverkehr-4375239-0/ (Kommentare unten) und
onlinebanking-forum.de/phpBB2/viewtopic.php?p=94367

Ganz neu ist die Variante, dass angeblich, siehe onlinebanking-forum.de, wohl auch für einzelne SEPA-Buchungen Geld von den Banken genommen wird. Bisher dreht sich noch alles um Firmenlastschriften, mal sehen, wie lange noch…

Nachtrag vom 25. November 2013

Leider greift die Presse die Problematik bisher in keiner Weise auf, wenn über SEPA berichtet wird betrifft das meist die Tatsache, dass viele Firmen angeblich noch immer nichts in dieser Richtung unternommen haben. Kommentare zum von mir geschilderten SEPA-Kosten-Problem wurden übrigens vom Zeitungs-Zensor kurzerhand gelöscht. Im Zusammenhang mit SEPA-Firmenlastschriften ist mir aber noch ein zweites Problem aufgegangen, welches insbesondere kleinere Single-Selbstständige betreffen dürfte: das Problem der Privat- und Firmenkonten.

Bisher war niemand gezwungen, für seine Firma ein separates Firmenkonto zu führen. Alle Abbuchungen, ob privat oder für die Firma, ließen sich problemlos über ein (privates) Konto abwickeln. Mit den SEPA-Firmenlastschriften wird sich auch das ändern, ist die Einrichtung eines solchen Mandates doch, laut Auskunft der Banken, nur für ein Firmenkonto möglich (wobei, siehe oben, nicht unerhebliche Kosten entstehen können).

Ich gehe einmal davon aus, das hunderttausende kleine Single-Selbstständige, die ihr Geschäft vielleicht nur nebenbei betreiben, kein Firmenkonto haben und es damit bei der SEPA-Umstellung zu vielen „Überraschungen“ und Komplikationen kommen wird.

Also noch ein Ei, das uns durch SEPA ins Nest gelegt wurde und welches man gerne verschweigt, gelten Selbstständige in unserer Angestellten- und Beamtenrepublik nach meiner Erfahrung doch per se als merkwürdige Außerirdische mit drei Augen und Fühler auf dem Kopf.

Nachtrag vom 29. November 2013

Ein weiterer Kommentar zu einem Zeitungsartikel über SEPA wurde wieder nicht veröffentlicht, obwohl ich bei der Wortwahl betont sachlich geblieben bin. Entweder möchte man nicht, dass dieses Thema angesprochen wird, oder man hält es für eine „Verschwörungstheorie“. Liebe Leute von den Zeitungen, dies ist FAKT! Wir können das Verhalten der Banken anhand von Kontoauszügen belegen!

Vielleicht denkt man auch nach dem Motto: Was soll’s, Firmen sind ja alle Ausbeuter und Großkapitalisten, sollen sie diese Zusatzkosten doch zahlen und uns damit nicht belästigen. Mir jedenfalls ist das Verhalten der Zensoren schleierhaft und ich frage mich, wie viele unangenehme Meinungen und Tatsachen man sonst noch so tagein tagaus unterdrückt.

Nachtrag vom 07. Dezember 2013

Inzwischen ist es Dezember geworden, ich höre bisher keinen Aufschrei verzweifelter Firmeninhaber und EDV-Experten, welchen ich in meinem Artikel „SEPA-Papierkrieg“ vom 6. September 2013 befürchtet hatte. Entweder hat man sich verzweifelt mit dem Unabwendbaren arrangiert oder meint, das SEPA-Süppchen wird schon nicht so heiß gegessen werden, wie es gekocht wurde.

Eine für mich neue Entwicklung ist, dass im Netz diskutiert wird, ob man nicht einfach auch zwischen Firmen die Basislastschriften verwenden und so den ganzen „Mandatsverwaltungs-Mist“ umgehen kann. Angeblich ist das SEPA-Firmenlastschriftmandat zwischen Firmen nur eine Option, keine Pflicht.

Also ich hatte das anders verstanden, da ich aber kein Anwalt, Bankster, EU-Bürokratieonkel oder Steuerberater bin kann ich das nicht beurteilen. Deshalb noch einmal die Frage an alle Leser: weiß jemand mehr?

Nachtrag vom 09. Dezember 2013

Aufgrund neuester Entwicklungen und Hinweise freundlicher Kommentatoren möchte ich hier nochmals einiges klarstellen:

  1. Vielen Banken verlangen für die Einrichtung und teilweise auch für die Pflege von SEPA-Firmenlastschriftmandaten Geld, zwischen 5,- und 15,- EUR sind mir berichtet worden. Die Masche scheint sich bei den Banken rumgesprochen zu haben.
  2. Die SEPA-Basislastschriften scheinen nirgends davon betroffen zu sein.
  3. Laut Aussage einiger Stimmen im Netz und auch des Kommentators „Hannes“, siehe unten, ist die Nutzung eines ggf. kostenpflichtigen SEPA-Firmenlastschriftmandats nicht zwingend. Wenn Sie die Gebühren vermeiden möchten sollten Sie demnach versuchen, mit Ihren Geschäftspartnern ein SEPA-Basislastschriftmandat zu vereinbaren oder halt zukünftig nur auf Rechnung zahlen. Ob der Firmenpartner dabei mitspielt steht natürlich auf einem anderen Blatt.
  4. Wenn die Möglichkeit bestand hat, auch zwischen Firmen auf die Basislastschrift ausweichen zu können, entfiele dann auch die von mir am 29. November geäußerte Befürchtung zum indirekten Zwang zur Einrichtung eines Geschäftskontos.
  5. Immer noch ungeklärt ist meine Befürchtung, in wieweit Zahlungen zwischen Firmen über das SEPA-Basislastschriftmandat u.U. nachteilig sein könnten, indem z.B. vom Finanzamt hier der Vorsteuerabzug verwehrt wird.

Ich für meinen Teil bin durch die für mich neue Entwicklung etwas entspannter geworden. Nach wie vor finde ich es aber eine Ungeheuerlichkeit, dass man, außer in privaten Blogs wie meinem, nirgends von dieser Problematik ließt, zumindest habe ich keine derartige Aufklärung in den sogenannten „Qualitätsmedien“ finden können. Die Redaktionen aller großen Zeitungen wurden von mir freundlich und sachlich inklusive aussagekräftigen Beweisen in Form von Kontoauszügen auf den Sachverhalt aufmerksam gemacht, es scheint sie, Entschuldigung, einen Dreck zu scheren. Traurig!

Nachtrag vom 15. Januar 2014

Wie ich im September bereits mutmaßte denkt man in EU-Elfenbeinturm nun doch über eine „Galgenfrist für die alten Kontonummern“ nach, möchte die endgültige Einführung von SEPA eventuell um sechs Monate verschieben. Dagegen ist man im Berliner Elfenbeinturm der Meinung, alles laufe bestens, eine Verschiebung sei nicht nötig.

Entscheidend für uns, die das Süppchen letztlich auslöffeln dürfen, wird das sein, was die Banken sagen. Wenn Ihre Hausbank zum ersten Februar alternativlos auf SEPA umstellt nützen Ihnen die theoretischen Überlegungen aus den jeweiligen Elfenbeintürmen null komma gar nichts. Es bleibt spannend…

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