Geschrieben von Christian Schnettelker

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Nerd Deluxe: Rechnerbau

Manchmal ist es schön, zur Abwechselung etwas handfestes, greifbares zu tun. Zum Beispiel einen Rechner zu bauen. Seit vielen Jahren stelle ich alle Rechner für mein Büro und zur Musikproduktion unserer Labels aus den jeweils aktuellen PC-Komponenten zusammen statt einfach einen fertigen Computer aus dem Supermarkt zu karren. In den letzten Tagen war es wieder soweit.
PC-Mainboard

Qual der Wahl

Für einen Rechner, der später im Büro des Mediteam-Zentrallabors in Münster stehen soll, wählte ich zuerst die einzelnen Komponenten aus. Gar nicht so einfach, die Produktzyklen sind inzwischen so kurz, dass man unmöglich ständig auf dem Laufenden sein kann, also musste ich mein Wissen erst einmal auf einen aktuellen Stand bringen.

Meist lese ich einiges auf einschlägigen Seiten wie tomshardware.de und golem.de. Das Allerneueste muss es dabei in der Regel nicht sein, ich war und bin kein „Early Bird“, erst einmal wegen des Preises, dann aber auch wegen zu erwartender Kinderkrankheiten bei brandneuer Hardware.

Meist wähle ich Komponenten, die schon ein paar Monate auf dem Markt, halbwegs ausgereift und im Preis gefallen sind. In der Vergangenheit habe ich dabei viel Lehrgeld hinsichtlich vermeintlicher Schnäppchen bezahlen müssen: ein günstiges Mainboard rauchte 2003 nach nur sechs Monaten ab, billiger Speicher führte damals zu ständigen Abstürzen.

Mainboardbrand 2003
Seit diesen Erfahrungen setze ich nur noch auf Markenqualität und zahle lieber ein paar Teuros mehr, die allermeisten Probleme haben sich seitdem erledigt. Ohne überheblich sein zu wollen laufen die Rechner recht zuverlässig, mein 2008 gebaute Hauptrechner mit Intel Core 2 Quad Q6600 Prozessor, auf dem ich auch diesen Text tippe, hat inzwischen gute fünf Jahre Betrieb hinter sich.

Er wurde 2011 einmal um 4 GB Hauptspeicher und eine SSD-Festplatte + Windows 7 aufgerüstet, zig mal vom Staub befreit, ein gutes Dutzend Festplatten wurden ein- und ausgebaut. Zugegeben, bei der SSD-Festplatte aus 2011 hatte ich Pech, aber das bleibt nun mal nicht aus.

Online-Bestellung

Der Rechner sollte schließlich aus den folgenden Komponenten bestehen:

  • Mainboard: Asus Z87-A Intel Z87
  • Prozessor: Intel Core i5 4430
  • Speicher: 8GB Kingston HyperX DDR3-1600
  • SSD-Festplatte: 128GB Corsair Force GS
  • Grafikkarte: 2048MB Asus GeForce GT 610
  • Gehäuse: CoolerMaster Silencio 550 Midi Tower
  • Netzteil: LEPA W450-SA
  • Bildschirm: 24″ (60,96cm) BenQ RL Serie RL2450HT

Zugegeben keine Rakete, aber ein leiser, performanter Rechner für die anfallenden Büroarbeiten. Der Online-Bestellvorgang der Komponenten war problemlos, allerdings hatte der Versender, eine in der PC-Schauberszene bekannte Firma aus Bremen-Wilhelmshaven, komischerweise Schwierigkeiten mit der Lieferung.

Alles verzögerte sich um zwei Wochen und kam schließlich in vier einzelnen Paketen zeitlich versetzt an. Früher war das anders, anscheinend klappt die Belieferung durch die kaputten Straßen und maroden Brücken inzwischen nicht mehr, ich weiß es nicht, jedenfalls sehr ungewöhnlich.

Es lebt!

Nachdem alle Teile endlich angekommen waren ging es an den Zusammenbau. Eines kann ich dabei gar nicht leiden: die Installation des Prozessors. Erst einmal liegt, aus unerfindlichen Gründen, niemals eine Tube Wärmeleitpaste dem Prozessor bei, diese muss man extra besorgen. Warum nur, kostet doch nichts und würde alles viel unkomplizierter machen? Das werde ich wohl nie verstehen. Ich wette, dass viele Prozessoren einfach ohne diese Paste vor sich hinbrutzeln und schnell(er) sterben…

Ganz „friemelig“ auch das Aufstecken des Prozessorlüfters, das klappt praktisch nie beim ersten Versuch, die Plastikbeinchen verkanten sich, man sieht auch nichts so richtig. Dieses mal gelang es erst beim dritten oder vierten Versuch und nach Ausstoß verschiedener Flüche, die ich hier der Anständigkeit halber unmöglich veröffentlichen kann.

Zweites, garantiertes Ärgernis: die Gehäuseanzeigen mit dem Mainboard verbinden. Warum sind diese grundsätzlich nicht mit + und – markiert? Erst nach mehrmaligen späteren Umstecken leuchten alle Anzeigen so, wie vorgesehen. Ein Dauerärgernis, auch 2013 hat man es nicht geschafft, hier eine Normierung einzuführen.

Nachdem alle Komponenten zusammengesteckt und den Monitor, Tastatur, Maus etc. angeschlossen sind ein Stoßgebet und: EINSCHALTEN. Es tut sich nichts… Oh nein! Ach, das Netzteil hat ja auch einen Schalter! Also Netzteil einschalten, Power-Knopf drücken und: ES LEBT!!!

BIOS adé

Der neue Rechner hat inzwischen kein BIOS mehr, sondern ein UEFI. Eine Überraschung für mich und ein ganz neues Gefühl bei der Erstkonfiguration. Auch besitzt das Mainboard keinen parallelen ATAPI-Anschluss, ein älteres CD-ROM zur Installation des Betriebssystems konnte zu meiner Verwunderung gar nicht mehr angeschlossen werden. Leider liefert MS, soweit ich informiert bin, seine Produkte immer noch nicht auf USB-Stick aus, dann hätte ich mir den Quatsch mit den antiquierten DVDs sparen können.

Nachdem Windows 7 und alle notwendigen Treiber installiert wurden mussten noch 118 Updates mit ca. 500 GB Umfang aus dem Netz geladen werden, fertig! Das Gefühl kann mir kein fertig zusammengestellter, wartungs- und erweiterungsfeindlich verklebter Rechner bieten…

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