Geschrieben von Christian Schnettelker

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Read error

Letzte Woche kam eine Kollegin der Nachbarfirma mit einer externen USB-Festplatte in mein Büro, ich sollte doch mal schauen, was mit der Platte los ist. Das Laufwerk wurde zwar erkannt, in Windows erschien jedoch unter „Arbeitsplatz“ kein Laufwerk, auf das man hätte zugreifen können.
Geöffnete Festplatte
Nach ein paar weiteren Tests meine Diagnose: wahrscheinlicher HD-Hardwareschaden, da diese in anderen USB-Gehäusen das gleiche Verhalten zeigte und Testprogramme nur „Read error“ meldeten.

Für die Kollegin ärgerlich auch die Tatsache, dass auf diese HD zahlreiche Kinderfotos gespeichert waren, von denen es natürlich keine Kopie gibt. Sie überlegt nun, ob Sie die Dienste einer professionellen Firma für Datenrettung in Anspruch nehmen und wie sie die wahrscheinlichen Kosten von 1.000 EUR+ bezahlen soll.

Wichtige Daten nur auf einem Medium zu speichern ist schon mal grob fahrlässig. Wenn dieses Medium dann auch noch eine sagen wir mal „günstige“ externe Festplatte eines großen deutschen Lebensmittel-Distributors ist, die

  • keinen Lüfter besitzt, damit die Festplatte intern so richtig schön gebraten wird, und
  • durch ihre Bauform leicht runterfallen oder geklaut werden kann

kommt das einem „Daten-Harakiri“ gleich. Wie sagte ein Kollege damals in solchen Fällen so schön: „Wer den Schaden hat spottet jeder Beschreibung“.

Digitale Amnesie

Die meisten machen sich überhaupt keine Gedanken, was nach dem „Klick“ des – heute natürlich digitalen – Fotoapparates mit der Aufnahme passiert. Möchte man Fotos, Video, Audio etc. über Jahre bewahren ist guter Rat teuer. Die meisten, die ich kenne, investieren hier niemals Zeit und Mühe – falls möglich werden private Fotos auf das neue Handy oder den neuen Computer übertragen, wenn nicht dann eben nicht.

Bestenfalls hat man ein paar unbeschriftete CD-Rohlinge im Schrank und denkt, dass die Daten dort „auf ewig sicher“ sind. Ich bin hier anders gestrickt, habe mich bemüht, aus früheren Fehlern zu lernen und treibe seit Jahren einen gewissen Aufwand, um alle für mich wichtigen Erinnerungen und natürlich auch die geschäftlichen Daten vor einem solchen „GAU“ zu bewahren.

Richtig haarig wird es, wenn Dokumente, Präsentationen etc. über einen längeren Zeitraum bewahrt werden sollen, denn Ziel der Softwarehersteller scheint es zu sein, keinesfalls die Dokumente der Vorgängerversion korrekt öffnen zu können. Dies ist ein großes Problem, soll aber hier nicht mein Thema sein. Ich spreche allgemein von gängigeren Dateien wie Textdateien (HTML, CSS), JPGs, TIFFs, Audio- und Videodateien etc., obwohl gerade bei den letzteren seit längeren ein völliges Formatchaos herrscht.

Zwischenfazit: klar, analoge Fotos und handgeschriebene Briefe aus der vordigitalen Zeit konnten auch vergilben, verbrennen oder verloren gehen, das passiert. Heute reicht allerdings ein winziger mechanischer oder elektronischer Schaden innerhalb der immer schneller entwickelten Hardware, um gleich sämtliche gespeicherten Daten komplett und meist unwiederbringlich zu vernichten.

Everybody’s free to wear sunglasses

Um den Datenverlust zu vermeiden bzw. unwahrscheinlicher zu machen hier ein paar persönliche Tipps, die teilweise schon im Artikel „Datensicherung“ vom 30. Oktober 2012 zu lesen sind:

  • Wichtige Daten sollten Sie immer 2x haben, natürlich auf verschiedenen Medien und, wenn möglich, auch an verschiedenen Orten, z.B. eine Kopie im Büro und eine zuhause.
  • Vermeintliches Sparen durch den Kauf chinesischer Phujuck-Billiggeräte rächt sich praktisch immer, ob Sie nun einen Staubsauger kaufen, der nach sechs Monaten durchbrennt oder einen 8 EUR Billigkopfhöhrer, bei dem die Musik wie „unterwasser“ klingt. In Sachen externe HD-Gehäuse für 3,5″-Festplatten würde ich immer eines mit Lüfter wählen. Vermeiden Sie hier unbedingt Discounter-Angebote und lüfterlose Plastikgehäuse. Ein höherwertiges externes Gehäuse aus Metall mit Lüfter kostet (ohne Festplatte) nach meinen Erfahrungen mindestens 40 EUR+, ein komfortables 4-fach Gehäuse, wie ich sie gerne einsetze, ca. 100 EUR+. Es gilt immer noch: wer billig kauft, kauft doppelt.
  • Als Alternative zu den üblichen 3,5″-Gehäusen haben sich bei mir 2,5″-Festplatten bewährt. Diese haben zwar keinen Lüfter, das Gehäuse ist aber bei den von mir gewählten Geräten aus Metall und die Dinger werden generell nicht so warm. Schön ist auch, dass diese Platten heute ohne externe Stromversorgung direkt am USB-Port betrieben werden können. Für ein 2TB-Modell habe ich kürzlich ca. 100 EUR bezahlt, dass ist ein wie ich finde fairer Preis.
  • Lesen Sie vor dem Kauf aller (wichtigen) Gerätschaften immer Produkt-Rezensionen und Tests, die idR kostenlos im Netz verfügbar sind. Das kostet Sie nur Zeit und die Wahrscheinlichkeit, einen Fehlkauf zu tätigen, wird zumindest verringert.
  • Vertrauen Sie wichtige Dinge, die langfristig gespeichert werden sollen, keinesfalls selbst gebrannten CD- oder DVD-Rohlingen an. Bei mir waren diese größtenteils, unabhängig von der Marke, schon nach drei bis fünf Jahren unlesbar. Zu Blu-Ray etc. kann ich gar nichts sagen, da ich sowas erst gar nicht gekauft habe, denke aber einmal, dass es ähnlich sein wird.
  • USB-Sticks können nach meinen Erfahrungen ebenfalls von heute auf morgen versagen und alle Daten sind futsch. Und diese Dinger bekommen schnell Beine…
  • Wenn Sie in der Cloud sichern möchten seien Sie sich bewusst, dass praktisch die halbe Welt mitliest: NSA, BND, KGB, AEG und all die anderen. Bilder werden teilweise automatisch ausgewertet, wenn Sie also Aufnahmen Ihrer minderjährigen Tochter unter der Dusche abspeichern können Sie morgen schon unangenehmen Besuch bekommen. Zudem kann der Dienst jederzeit nach Gutdünken von Firmen und Regierungen oder durch Firmenpleiten abgeschaltet und alle Daten gelöscht werden.

Auch im Jahre 2015 sehe ich zu einer lokalen Doppelsicherung auf verschlüsselten externen Festplatten in einem vernünftig gekühltem Gehäuse keine Alternative. Andernfalls ergeht es Ihnen wie der Kollegin: das wird nicht billig! Oder es ist Ihnen egal, wenn von Ihren Erinnerungen nichts bleibt, das ist Ihre Entscheidung.

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Kommentare

Kommentare

  1. Webdesign schrieb:

    SSD wird sowieso Zukunft sein.

    • Ja genau, lasst uns gemeinsam das Bruttosozialprodukt steigern, indem wir sämtliche konventionellen Festplatten umgehend entsorgen und alles auf SSD umstellen. Kostenpunkt für 1TB ca. 400 EUR, dürfte ja wohl kein Problem sein, oder? SSDs sind zudem unkaputtbar, siehe http://webdesign-blog.manoftaste.de/hardware-ausfall/

      Genug der Ironie, dies ist wieder mal ein Beispiel für einen dieser selten dämlichen SEO-Kommentare einer Webdesign-Agentur, die ihre Linkpopularität durch schnell runtergeschmierte Kommentare in gut positionierten Blogs aufbessern möchte. Manchmal schäme ich mich für meine Branche.

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