Geschrieben von Christian Schnettelker

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Kunden buchen Experten

Kaufen Sie Ihre Milch beim Schlüsseldienst? Fragen Sie in der Änderungsschneiderei nach günstigen Flügen in den Süden? Ich hoffe nicht. Mir geht es in diesem Artikel um die Konzentration auf eine Dienstleistung auf einer Internetseite, die Sie, wenn man es richtig macht, als Experten bzw. Profi ausweisen. Auch ich musste das erst einmal lernen und annehmen…

Gemischtwarenladen

Des Öfteren schaue ich mir die Webseiten und Werke der Webdesign-Konkurrenz an, immer wieder interessant. Manche Webdesigner verlieren sich so im „stylen“ ihrer Seiten, dass diese unübersichtlich und für den hektischen Besucher, der Informationen einholen möchte, einem Suchspiel gleichkommen.

Vielen Kollegen fällt leider bereits auf ihrer eigenen Internetseite nicht viel ein, diese sind trist, schwarz mit kurzen Texten, nichtssagende Worthülsen oder geklauten Inhalten.

Supermarktregal
Eine ganze Reihe von Webdesign betreiben, neben dem Erstellen von Seiten, dann auch noch ein Fotostudio, bieten Videoschnitt, Graphikbearbeitung, Programmierung, einen PC-Service und vieles mehr an. Man könnte es auch so ausdrücken: Sie suchen einen Webdesigner für Ihre neuen Seiten, aber wenn Ihnen meine Leistungen nicht gefallen tapeziert ich gerne auch Ihre Wohnung…

Erst kürzlich sah ich auf einer ganz passablen Internetseite eines „Kollegen“ folgende Liste an Dienstleistungen, die unter ein und demselben Marke angeboten wurden:

  • DSL und Internet
  • Webhosting
  • Webdesign
  • Schulung und Unterricht
  • Büroservice
  • Mobiler Kopierservice

Ich selbst wurde bei früheren Unternehmungen darauf hingewiesen, dass man sich damit keinen Gefallen tut. Ich wollte das lange nicht einsehen, aber inzwischen habe ich den Denkfehler kapiert.

Schweizer Taschenmesser

Eine umfangreiche Dienstleistungsliste wie oben beabsichtigt, zu zeigen, wie vielseitig der Inhaber ist. Ein toller Mensch bzw. eine tolle Firma, so eine Art „Schweizer Taschenmesser des Internets“. Zweiter Beweggrund: man möchte (oder muss) jedes denkbare Geschäft mitnehmen.

Jedoch wird dem Besucher etwas ganz anderes suggeriert, nämlich, dass dieser die jeweilige Dienstleistung offensichtlich nur nebenbei macht und daher niemals ein wirklicher Experte sein kann. Demzufolge sind die zu erwartenden Leistungen höchstwahrscheinlich auch eher Mittelmaß.

Aber wer braucht das? Fragen Sie sich einmal selber: würden Sie jemanden für Ihr neues Projekt oder eine Dienstleistung buchen, der dies offensichtlich ab- und zu mal nebenbei macht? Wieder einmal erreicht man, trotz bester Absicht, mit dieser Vorgehensweise etwas ganz anderes, als gewünscht.

Weiter besteht die Gefahr, sich zu verzetteln, kann man in der Regel doch nur auf einem Gebiet richtig gut sein, vielleicht auf zwei, dann hört es aber auf. In einem Gespräch wurde ich einmal gefragt, ob man seine Internetseite nicht auch selber machen kann. „Natürlich, man kann sich auch seine Brötchen selber backen“ antwortete ich.

In einer arbeitsteiligen Wirtschaft fahre ich aber meist besser, wenn ich deren Vorteile nutze, indem ich auf ein Expertenwissen zurückgreife. Mir fehlt die Zeit, das Wissen und einfach die Lust, meine Brötchen selber zu backen.

Experte sein!

Also, mein Rat an alle Einzelkämpfer und kleinere Firmen: konzentrieren Sie sich auf eine Dienstleistung. Zeigen Sie mit Ihrer Seite und einigen Arbeitsbeispielen, dass Sie als Webdesigner, Photograph oder was auch immer ein Experte auf Ihrem Gebiet sind.

Ihre Produkte bzw. Dienstleistungen sollten etwas Besonderes oder zumindest solides sein. Fragen Sie sich: „warum sollte der Besucher gerade bei mir kaufen?“ und geben Sie dann auf Ihrer Seite eine Antwort darauf.

Möchten Sie weitere Dienstleistungen anbieten, die nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit Ihrem Geschäftsbereich stehen, richten Sie dazu nach Möglichkeit eine separate Webseite ein, wobei Layout und Logo nicht erkennbar gleich sein sollten. Erst bei mittleren bis größeren Firmen mit „Abteilungen“ wird erwartet, dass diese auf mehreren Gebieten gut sind.

Vielleicht machen Sie es auch wie ich, schreiben Sie einen Blog zu Ihrem Thema und zeigen Sie mit guten, regelmäßigen Artikeln, dass Ihre Dienstleistung oder Ihr Produkt kein „das mache ich auch“ sind.

Denglisch

Noch ein Tipp zum Abschluss, viele versuchen, ihren vermeintlichen oder tatsächlichen Expertenstatus mit allerlei Fachausdrücken und, im schlimmsten Fall, peinlichen Anglizismen bzw. Scheinanglizismen („Denglisch“) zu unterstreichen.

Ich meine, spätestens seit ein Schalter bei der Deutschen Bahn AG wieder Schalter statt „Counter“ heißt und man einen gewissen „Sprachpanscher des Jahres“ und Vorstandsvorsitzenden zum Flughafen nach Berlin weggelobt hat, sind diese Zeiten vorbei. Sie blamieren sich damit, das ist ein „No-Go“ (kleiner Scherz). Natürlich lassen sich bestimmte Fachausdrücke nicht vermeiden oder übersetzen, übertreiben Sie es halt nicht damit.

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