Geschrieben von Christian Schnettelker

Imprint

Bei der Erstellung der Webseiten für die Firma Franke aus Möchengladbach hat mich Herr Philip Franke auf ein „Problem“ aufmerksam gemacht, das bisher völlig an mir vorbeigegangen ist, die Sache mit dem Imprint. Im Gespräch legte ich zuerst, muss es zu meiner Schande leider zugeben, eine ziemlich dumme und sehr deutsche Selbstgerechtigkeit an den Tag.

Für mich war die Sache klar, eine Seite braucht ein Impressum, die im optionalen englischen Teil „Imprint“ genannt wird. Habe es nie in Frage gestellt, ob das auch so richtig ist, für mich war das einfach so, translate.google.de sagt das ja schließlich auch.

Im Preußischen Stechschritt

Herr Franke belehrte mich eines Besseren, das bestätigte dann auch eine Recherche im Internet: die Übersetzung von Impressum zu „Imprint“ ist im Englischen nur dann üblich, wenn es im Zusammenhang mit Printmedien verwendet wird.

Ein John Cleese würde also, wenn er eine Imprint-Seite aus dem Land der „Krauts“ im Netz findet, sich einmal mehr mit Hitlerbärtchen und Imitation des Preußischen Stechschritts über uns ignorante „Hunnen“ lustig machen – und das wollen wir ja alle möglichst vermeiden, oder nicht?

Das Dumme an der Sache ist nur, dass es keine wirklich passende Englische Übersetzung für diese „absurdistanische Spezialität“ zu geben scheint. Ein hypothetischer Monty Python-Webauftritt würde wahrscheinlich (wenn überhaupt) rechtliche Informationen auf einer „Legal Disclosure“, „Legal Notice“ oder einfach „“About this website” genannten Seite nennen. Leider sind die Begriffe wiederum recht sperrig und allesamt länger als „Imprint“. Hmmm…

In Sachen Franke Chemiefasern haben wir uns schließlich auf „Legal notice“ verständigt, ich persönlich kann damit leben und werde, wo ich das Problem endlich erkannt habe, nach und nach alle bestehenden Webseiten mit englischem Teil entsprechend anpassen.

Ich bin auf dem Internet

Sowieso gibt es zahlreiche Fallen, mit denen Sie trotz einigermaßen gutem Schulenglisch das Inselvolk zumindest in Verwunderung bringen können. Statt „I‘m in the Internet“ würde der Untertan seiner Majestät „I‘m on the Internet“ oder kurz „I‘m on the Net“ sagen.

Völlig falsch ist demnach „You‘ll find informations in the Internet“, der Engländer sagt „You‘ll find the information on the Net“. (Kleine Anmerkung: in der Grundschule haben mich alle inklusive Lehrerin für den Satz „Ich gehe auf mein Zimmer“ ausgelacht, vielleicht war ich im früheren Leben Engländer?).

Um sich nicht sofort als „Hun“ zu „outen“ vermeiden Sie in Texten und am Telefon unbedingt Aussagen wie „You must“ oder „You should“ – eine Aufforderung, etwas zu tun, sollten Sie immer indirekt äußern. Schreiben Sie um des lieben Friedens willen stattdessen „Would you“, „Could you“ oder „It would be nice if you could…“. Der Engländer mag den „Befehlston“ nicht.

I believe I spider

Das Thema Pseudoanglizismen („Handy, Meeting point, Public viewing, Body bag“ etc.) und missverständliche Sätze wie „do you have fire“ erspare ich Ihnen an dieser Stelle, denke mal, dass sollte halbwegs kompetenten Menschen inzwischen bekannt sein. Im Netz finden sich zahlreiche Texte und Videos mit Beispielen für weitere Fallen, in die wir „Native Germans“ gerne tappen.

So wusste ich bis heute beispielsweise nicht, dass ein „Beamer“ in den USA ein umgangssprachlicher Ausdruck für einen BMW ist. Der Engländer sagt statt „Beamer“ natürlich „Projector“, klingt auch vornehmer. Ein „Oldtimer“ ist für uns Teutonen ein altes, historisches Auto, für den Engländer aber eher ein alter Mann. „Showmaster“ kennt man auch nicht, der heißt „Host“ und die „Streetworkerin“ ist eine Nutte. Spannend, kann man sich stundenlang mit beschäftigen…

Zum Abschluss: gestern auf der Mediteam Weihnachtsfeier erzählte mir eine Labormitarbeiterin, ihre Freund würde behaupten, das neue Kleid bei „Sale“ gekauft zu haben – sie lebt als Polin in Deutschland – damit dürfte die babylonische Sprachverwirrung komplett sein.

The answer to life, the universe and everything

Es gibt übrigens neben (Web-)Impressum einige weitere deutsche Wörter, die sich praktisch nichts ins Englische übersetzen lassen, z.B. Schadenfreude, Schicksalsgemeinschaft, Gemütlichkeit, Innerer Schweinehund, Fremdschämen, Lebensmüde und Ohrwurm. Man sollte uns unterm Stich zumindest zugute halten, dass einige sich redlich bemühen, die fremde Sprache korrekt anzuwenden und Fehler zu vermeiden. Wir erwarten ja auch im Gegenzug, dass unsere schöne Sprache nicht mit Füßen getreten wird.

Vielleicht kommt dann irgendwann auch einmal der Tag, an selbst ein John Cleese uns angeblich humorlose, Liegestuhl mit dem Handtuch reservierende und bis zum Umfallen arbeitende „Krauts“ ins Herz schließt. Ich für meinen Teil mag John Cleese, Monty Python und insbesondere den englischen Humor trotzdem.

Bin auch bekennender Douglas Adams-Fan, diesem feinsinnigen, bitterbösen englischen Humor haben wir Deutsche bis dato mE nichts entgegen zu setzen. Aber wäre doch auch langweilig, wenn alle Länder und alle Menschen gleich wären, oder?

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