Geschrieben von Christian Schnettelker

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Ich, nicht wir

Christian SchnettelkerMit den Jahren habe ich festgestellt, dass es ein weit verbreiteter Glaube ist, sich selbst und die Firma möglichst groß verkaufen zu müssen. Einzelpersonen versuchen, auf ihren Webseiten den Eindruck zu erwecken, ein großer, möglichst auch weltweit agierender Konzern zu sein.

Freelancer möchten sich gerne für den Kunden interessanter machen, zum Beispiel, indem Sie einfach die Mitarbeiterzahlen vervielfachen. Da zählt plötzlich die Putzfrau ebenso zum Mitarbeiterstamm wie der gelangweilt auf dem Teppich liegende Yorkshire Terrier. Alle Texte werden im Plural verfasst und bombastisch ausformuliert, kurz: aus ich wird wir.

Ich gebe zu, dass ich bei früheren Unternehmungen, an denen ich beteiligt war, ähnlich gedacht und gehandelt habe, aber davon nehme ich seit längerem Abstand.

Der Tag, an dem der Kunde kam

Warum habe ich meine Meinung geändert? Nun, da ein solches Bild mit der anzutreffenden Wirklichkeit in der Regel nichts zu tun hat, kommt es unweigerlich irgendwann zum Super-GAU: da trifft der Kunde dann doch einmal zu einem Gespräch vor Ort ein und das mühsam aufgebaute Potemkinsche Dorf bricht schnell und mit höchst peinlichen Nebenwirkungen in sich zusammen.

Noch schlimmer, die Vorspiegelung falscher Tatsachen, wie es ein Beamter vielleicht ausdrücken würde, stellt bei Kunden einen ernsten Glaubwürdigkeitsverlust dar.

Die Wahrheit ist die beste List

Und, was kann ich gewinnen, wenn meine Firma in ihrer Darstellung plötzlich mehrere Angestellte hat? Soll ich mit verstellter Stimme am Telefon sprechen und mich zu mir selber weiter verbinden?

Ich denke, ich kann die Situation umgekehrt zu meinem Vorteil nutzen und mich als kleiner, flexibler Dienstleister verkaufen, der eben keinen riesigen Wasserkopf einer Verwaltung zu finanzieren hat und bei dem Lösungen auch unbürokratisch und vor allem schnell möglich sind. Klingt die Wahrheit denn so schlimm?

Dazu gehört für mich aber auch die Ehrlichkeit, Projekte, die meine zeitlichen oder technischen Möglichkeiten übersteigen, auch einmal abzulehnen.

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