Geschrieben von Christian Schnettelker

Hater

Wie Sie vielleicht wissen – oder auch nicht – schlage ich mich seit Jahren mit Plagiatoren herum. Diese Sorte Mensch ist zu faul oder zu dumm (oder beides), um eigene Texte zu erstellen, die man sich daher ungefragt woanders besorgt.

Inzwischen habe ich allerdings auch Bekanntschaft mit einer anderen im Netz vertretenen Gattung machen müssen, auf die man irgendwann unweigerlich trifft: die sogenannten „Hater“. Diese Zeitgenossen finden ihre Erfüllung nicht in kreativen Eigenleistungen, sondern in der maßlosen, hasserfüllten Kritik an anderern Leuten oder Firmen, die meist mehr Erfolg haben, als sie selber.

Da ich im Laufe der Zeit vermehrt mit Hatern rechne werde ich, wie bereits bei den Plagiatoren geschehen, diese zu meiner Orientierung und Ihrer Belustigung durchnummerieren und Code-Namen vergeben:

#1 – Der Youtube-Hater
#2 – Der das/dass-Hater

Letzterer überfiel mich gestern Abend, wenn Sie seine „Beiträge“ und meine Antworten darauf lesen möchten, verweise ich auf den Kommentarbereich der Artikel „Ärgern Sie Ihren Webdesigner!“ und „Falsche Vorstellungen“.

Psychologie des Hasses

Hater werden von den sehr destruktiven Emotionen Hass und Neid getrieben. Hass ist laut Lehrbuch ein sich langsam aufbauendes, heftiges Gefühl der Feindschaft gegen andere Menschen (oder auch Firmen und Organisationen), der sich im Extremfall derart steigern kann, dass er nach der Vernichtung des vermeintlichen Feindes verlangt.

Der Hass des im Internet lauernden Haters ist dann auch kein einfaches „nicht leiden können“, sondern er unterliegt einem bohrenden, nagenden, die Person fast verzehrenden Hass, der sich über Monate und Jahre anstaut und zuerst noch kontrolliert werden kann.

Irgendwann sucht sich der Hass aber ein Ventil, z.B. in Form von Hasspredigten, Hassschriften oder, wie in meinem Fall, in der Verfassung von hasserfüllten Kommentaren, damit der Hater wieder „freier atmen“ kann.

Manchmal befreit ein solches „ablassen“ den Hater vollständig von seinem Gefühl, andernfalls beginnt das Spiel von vorne, wobei die Zeiträume zwischen den Ausbrüchen oft immer kürzer werden. Im Extremfall schafft dann nur noch die Vernichtung der verhassten Person oder Firma dem Hater Erleichterung.

Wenn der Hater seinen Hass ausdrückt erfolgt das anonym, er möchte damit nicht in Verbindung gebracht werden und für Ihn negative Konsequenzen vermeiden. Der Hater verwendet bei seinem Ausbruch dann gerne Superlative und Extreme und versucht, der verhassten Person oder Firma gegenüber so beleidigend als irgend möglich zu sein.

So ist in meinem Falle ein Rechtschreibfehler nicht ärgerlich oder vermeidbar, sondern katastrophal und der Autor, also ich, macht nicht einfach Flüchtigkeitsfehler, sondern ist als Legastheniker des korrekten Schreibens von Kindheit an niemals mächtig gewesen.

Hater-Typen

Wer ist nun dieser Hater #2, der in seinem Leben nicht besseres zu tun hat, als seinen Psycho-Müll bei mir im Kommentarbereich abzulassen? Nun, ich bin kein Hellseher und kann hinsichtlich Identität und der den Hass auslösenden Faktoren nur Vermutungen anstellen.

Hier die drei von mir herausgearbeiteten Hater-Typen und die geschätzte Wahrscheinlichkeit, mit der der Hater #2 zur jeweiligen Gruppe gehört:

Typ „verbitterte Konkurrenz / beledigte Leberwurst“
Besagter Hater könnte ein Mitbewerber sein, der sich durch meine Kritik an den Arbeitsweisen anderer Webdesigner persönlich angegriffen fühlt und nun, als selbsternannter Robin Hood, im Namen aller Unterdrückten dem bösen Sheriff von Nottingham seine Missetaten zurückzahlen möchte.

Vielleicht ist es aber auch ein Mitarbeiter einer von mir kritisierten Firma, z.B. einer Bank oder eines Providers. Oder ein fanatischer Jünger der Geräte mit dem Obstlogo, der die Blasphemie einer Kritik an seiner religiös verehrten Firma rächen möchte. Wahrscheinlichkeit: 30%.

Typ „ehemaliger Bekannter / Geschäftspartner“
Die zweite Möglichkeit wäre ein Mensch aus meiner Vergangenheit, der, vom Neid und Missgunst zerfressen, es einfach nicht ertragen kann, wenn andere etwas erreichen. Hier ist auch schon der Versuch strafbar, dieser Typus findet einzig Trost darin, wenn es den Leuten, die sie kennen oder einmal gekannt haben, möglichst genauso schlecht oder schlechter geht, wie ihnen selber. Ist das nicht der Fall führt das zu bohrendem Neid und schließlich zum verzehrenden Hass des Haters mit allen Konsequenzen.

Ich hätte da ein paar Kandidaten, auf die das zutrift und die die dazu notwendige moralische Verkommenheit problemlos aufbringen können. Wahrscheinlichkeit: 60%.

Typ „Troll“
Trolle sind Leute, die Befriedigung darin finden, durch meist ungerechtfertigte und unüberlegte Kritik andere zu provozieren. Im Unterschied zum Hater hasst der Troll nicht unbedingt, er genießt einfach die Beleidigung und die Verteidigungsversuche seiner Opfer und legt immer wieder mit neuen Verunglimpfungen nach, um sich an der Diskussion zu ergötzen. Einsicht und Verständnis zeigt er nie, eigene Fehler würde er keinesfalls zugeben.

Die einzige Möglichkeit, einen Troll los zu werden, ist, nicht auf seine Beleidigungen zu reagieren („Don’t feed the troll“). Damit entzieht man ihm seine Befriedigung und er wendet sich anderen Opfern zu. Ein Hater hat oft auch etwas von einem Troll. Wahrscheinlichkeit: 10%.

Übrigens gibt es auf z.B. Heise online für Trolle eine sogenannte „Trollwiese“, dort können Sie mit Trollen aller Art diskutieren – falls Sie starke Nerven und nichts besseres zu tun haben.

Reflexion

Um nicht selbstherrlich und beratungsresistent zu erscheinen habe ich gestern auch über den Inhalt der Hass-Kommentare und meine Einstellung nachgedacht.

Zuerst fragte ich mich, ob ich nicht auch selber etwas von einem Hater habe. Beispielsweise bin ich kein Freund der Geräte mit dem Obstlogo – Leute, die diese Produkte kaufen, sich freiwillig in ein digitales Nordkorea einschließen und der 24/7-Überwachung preisgeben, kann ich einfach nicht verstehen.

Ich habe hier keine gute Meinung und spätestens im September, wenn die Konsumsklaven wieder vor den Läden Schlange stehen, um die neueste Version ihres überteuerten Telefons zu erwerben, bekomme ich garantiert einen Hass-Flash – in sofern muss ich mir wohl eingestehen, dass auch in mir ganz tief sowas wie ein Hater steckt.

Allerdings geht das nicht soweit, dass ich Leute, die ihre Obstgeräte preisen und im missionarischen Eifer alle dazu bekehren wollen, im Netz angreife – ich stehe hier auf dem Standpunkt, dass jeder sich seine Hölle selber macht. Wer freiwillig in Nordkorea leben möchte soll das bitteschön tun.

Überhaupt fallen mir eine Menge Eigenschaften von Menschen ein, die ich gar nicht leiden kann und sogar hasse: Leute, die sich an der Bar beim Bestellen vordrängeln, „Stöhntiere“ im Fitnessstudio, Musik-Leisedreher auf Partys, religiöse Fanatiker, Hipster-Bart plus 60er Jahre-Brille, Türsteher Typ „SS-Herrenmensch“, Anrufe um 8:00 Uhr am Montagmorgen – das wäre eine lange Liste.

Der Unterschied ist wohl, dass ich meinen Ärger herunterschlucke bzw. kontrollieren kann und so nicht dem Zwang eines klassischen Haters unterliege, den Hass von Zeit zu Zeit abzulassen, um mich zu erleichtern.

Schlechtschreibung

Und zum Thema, auf welches sich der Hater #2 konzentriert, die Rechtschreibung bzw. Schlechtschreibung, möchte ich auch noch etwas anmerken. Natürlich ist es nicht besonders angenehm, selber Fehler zu machen, wenn man andere diesbezüglich kritisiert. Allerdings möchte ich dann bitte auch, dass meine Texte vollständig gelesen und korrekt verstanden werden; dort steht nämlich nicht etwa eine Kritik an Flüchtigkeitsfehlern, die uns allen passieren.

Mir geht es vielmehr um ein Deutsch, bei dem praktisch jedes zweite Wort falsch geschrieben wird, wo man mit der Groß- und Kleinschreibung völlig durcheinander kommt und Kommata gar keine Rolle mehr spielen. Diese Kritik lasse ich mir nicht verbieten, ein solcher Text ist peinlich und kann im Sinne einer guten Internetseite – darum dreht sich ja mein Blog – einfach nicht gut sein.

Mehr wollte ich gar nicht sagen, ich erwarte von niemanden, dass er ohne Fehl und Tadel ist. Ich würde jedoch erwarten, dass er oder sie sich anstrengt, das bestmögliche abzuliefern und nicht einfach etwas „herunter zu schmieren“.

Beleidigt mich!

Noch ein abschließendes Wort an alle Hater, die dies nun lesen: kommt zu mir, beleidigt mich und meine Arbeit – ich habe einen Riesenspass dabei und freue mich darauf, mich intellektuell mit Euch zu messen.

So haben wir alle etwas davon: ihr könnt den kranken Hass und den Euch zerfressenden Neid ablassen, ich mir sarkastische Erwiderungen ausdenken und Artikel wie diesen schreiben. Schließlich haben auch die Leser dieses Blogs noch eine Menge zu lachen – also, nur zu!

PS: Disclaimer – ich bin kein Psychologe und dies ist keine psychologische Abhandlung, auf die eine Therapie gestützt werden könnte. Wenn Sie psychologische Hilfe benötigen empfehle ich als erste Anlaufstelle die Telefonseelsorge.

Kommentare

Kommentare

  1. Ina schrieb:

    Danke für die ausführliche Aufklärung! Habe viel gelernt! Bin durch Zufall hier gelandet, da mich das Thema Hater interessiert hat.

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