Geschrieben von Christian Schnettelker

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Falsche Vorstellungen

Viele Leute, die sich für Webdesign oder diesbezügliche Dienstleistungen interessieren, haben völlig falsche, teilweise irrationale Vorstellungen bezüglich der Preise und des Zeit- und Arbeitsaufwandes. Ein Beispiel, ich bin in einem Portal für Freelancer angemeldet, dort können Auftraggeber ihr Projekt beschreiben und Freelancer sich um den Auftrag bewerben. Hier ein kürzlich dort eingestelltes „Projekt“:
Peanuts

Hallo zusammen,
wir brauchen jemanden der für unsere neue Seite (Hausverwaltung) das SEO übernimmt. Wir möchten schnellst möglich bei Google und anderen Medien gefunden werden.
Bei Fragen stehen wir euch selbstverständlich zur Verfügung.

Die (bezeichnenden) Rechtschreib- und Grammatikfehler in den runtergeschmierten drei Sätzen einmal außen vor gelassen, raten Sie einmal, wie hoch der potente Auftraggeber das Budget ansetzt? Großzügige 100 EUR ist er bereit, dafür zu zahlen, also ungefähr soviel, wie Sie heute für ein Essen mit ihrer Familie in einem Restaurant abdrücken müssen, vorausgesetzt, Sie bestellen keinen Nachtisch.

Im Ashram

Solche irrationale „Projekte der finanziellen Entsagung“ werden recht häufig eingestellt, das sagt mE auch viel darüber aus, wie die meisten Leute betreff Webdesign und SEO ticken: hier mal schnell ein paar Zauber-Keywords eingefügt, da ein kleiner Trick eingedengelt und die Internetseite steht schon morgen bei Google ganz vorne in den Top 5.

Die tollsten Webseiten, so die Vorstellung vieler Leute, schraubt der asketische Yogi fluchs zusammen während er ein beruhigendes Mantra mit 108 Wiederholungen rezitiert: „Hare Krishna Hare Krishna, Krishna Krishna Hare Hare“…

Praktischerweise sind die 100 EUR-Sannyasins in den Augen der Billigheimer sowieso sehr bescheiden, sie essen nichts, wohnen nirgends, sind mangels Kleidung völlig nackt. Die Geschäftsausstattung hat Pan Tau mittels Wundermelone herbeigezaubert, der Strom kommt kostenlos aus der Steckdose. GEZ, IHK, Krankenkasse, Finanzamt…? Ommmmmmmmmm…

Zurück zur Realität, dass solche Preis- und Zeitannahmen komplett weltfremd sind können Sie sich sicher denken, ich habe hier in meinem Blog und auf meinen Seiten ja bereits einiges dazu geschrieben. Für 100 EUR, sagen wir einmal großzügig zwei Arbeitsstunden, lässt sich keine vernünftige SEO realisieren – zumindest nicht von mir. Auch ist es eine irrige Annahme, dass eine Optimierung in kurzer Zeit prächtige Früchte trägt, das dauert nach meinen Erfahrungen meist mehrere Monate. Aber vielleicht bin ich wirklich auch nur zu blöd dazu, kann ja sein…

Kali, tanze für mich!

Ein anderes Beispiel dazu, in einer Anfrage wurde mir ein ca. fünfseitiges Projekt vorgestellt, welches, so der Initiator, doch „sicher von einem geübten CSS-Kenner innerhalb von 2-3 Stunden zu realisieren“ sei.

Ich fragte mich im Anblick des Layouts, wie diese fabelhaften CSS-Kenner denn wohl aussehen mögen… vielleicht sind es Wesen ähnlich der Kali des Hinduismus, Göttin des Todes und der Zerstörung, die Zusatzarme und das dritte Auge könnten sich für die benötigten übermenschlichen Leistungen als nützlich erweisen.

Die ausgestreckte Zunge ist dabei wohlgemerkt nicht als Beleidigung zu verstehen, erschrecken Sie auch bitte nicht über die obligatorische Halskette aus abgetrennten Schädeln, etwas verschroben sind diese Übermenschen halt schon…

Scherz beiseite, ich nahm den Auftrag übrigens letztlich an, jedoch erst, nachdem ich die Fakten mit dem gottseidank einsichtigen Auftraggeber geklärt hatte; das Projekt benötigte zur Realisierung später volle zwei Arbeitstage mit acht Stunden.

Quasimodo

Mit wachsender Erfahrung merkt man auch immer schneller, ob jemand mit Sachverstand und Interesse ein vernünftiges Projekt realisieren möchte oder ob es einem „bildungsfernen“ Zeitgenossen nur darum geht, mit möglichst geringem Aufwand die schnelle Marie mit einer „Wunderwebseite“ zu machen. Letztere erkenne ich anhand folgender Kriterien:

1. Auffallend viele Rechtschreib- und Grammatikfehler
2. Wirre oder völlig unzureichende Projektbeschreibung
3. Irrationale Vorstellungen zu Terminen, Leistungen und Kosten

Bei diesen Punkten klingeln, wie ich immer sage, bei mir die Glocken und ich verzichte dankend auf die Abgabe eines Angebots. Betreff oben genannten Freelancer-Portals würde ich schätzen, dass bei mir in über 95% Fällen ein österliches Feiertagsgeläut einsetzt.

Billigheimer und Zeitklauer

In meinem Artikel „Webdesign-Kosten“ habe ich bereits beschrieben, dass ich versuche, mir die ganzen Billigheimer und Zeitklauer mittels Informationsseite und Kostenrechner möglichst vom Leibe zu halten. Wer nicht bereit ist, für eine ordentliche Leistung einen fairen Preis zu zahlen, ist bei mir falsch. Es gibt genug Nebenbei-Webdesign-Agenturen im Netz, die diese Arbeit für kleinste Münze gerne und garantiert in den Sand setzen.

Aber ich möchte hier nicht falsch verstanden werden, ich bin mit Sicherheit auch keine „Hochpreisagentur“, ich würde meine Preise im vernünftigen und angemessenen Mittelfeld ansiedeln. Das sagen natürlich alle von sich, bei mir stimmt es aber…

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Kommentare

Kommentare

  1. Thomas Müller schrieb:

    Köstlich! Da schreibt jemand wiederholt über die mangelhafte Rechtschreibung der anderen (bezeichnet sie gar als „bildungsferne Zeitgenossen“), macht aber dann selbst die allergrößten Rechtschreibfehler!

    Beispiel:

    „Zurück zur Realität, das solche Preis- und Zeitannahmen komplett weltfremd sind können Sie sich sicher denken…“

    Schon mal was von der korrekten Verwendung von „das“ und „dass“ gehört? Lernt man üblicherweise in der vierten Klasse! Schauen Sie sich nochmal an, ja? Sitzt noch nicht so, gell?

    • Sie sind offensichtlich viel schlauer als ich, vielen Dank für den Hinweis! Falls es nicht zu unverschämt klingt würde ich Sie bitten, doch auch meine anderen 160 Artikel hier hinsichtlich Rechtschreibung zu prüfen. Ich bin mir sicher, dass Sie noch eine Menge Fehler finden werden – und jedes Mal können Sie gerne wieder und wieder einen „inneren Reichsparteitag“ feiern.

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