Geschrieben von Christian Schnettelker

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Der gute Artikel

Ich beteilige mich heute erstmals an einer sogenannten „Blogparade“, was das genau ist erklärt der Initiator Martin Gründstäudl vom “1001 Erfolgs-Geheimnisse Blog” auf seiner Seite sehr gut, daher verweise ich dort hin. Das Thema der Parade lautet „Was macht einen richtig guten Blog-Artikel aus?“, hier lesen Sie, was mir dazu eingefallen ist:

Wer bloggt denn da?

Da die Allermeisten mich sicher nicht kennen eine kurze Beschreibung meiner selbst. Ursprünglich C/C++ – Programmierer betreibe ich seit einiger Zeit ein Musiklabel und bin dadurch zum Webdesign gekommen, inzwischen mache ich beides. Würde mich selbst als einen „Workaholic“ beschreiben, ich arbeite gerne und viel, dank der Selbstständigkeit kann ich mir meist auch aussuchen, was ich mache.

Völliges Desinteresse zeige ich für Blog-Themen wie Reisen, Prominente, Skandale, Autos und Sport. Mir ist das Kind dieser englischen Windsor-Kate genauso egal wie die Bundesliga-Ergebnisse vom nächsten Samstag. Je größer das öffentliche Interesse, um soweniger interessiert es mich (mit ein paar wenigen Ausnahmen).

Andererseits bin ich aber auch nicht das, was man gemeinhin unter einem Nerd versteht; ich nutze Windows, Norwegerpullover, Birkenstockschlappen oder Star Trek-Uniformen finden sich nicht in meinem Kleiderschrank. Ich ernähre mich sogar halbwegs vernünftig. Musik, Internet und Computer machen mir Spaß und ich verdiene mein Geld damit, nicht mehr aber auch nicht weniger.

Mein Interesse gilt daher ehr Blogs zu Musik, Programmierung, (Web)design aber auch Wirtschaft und Politik. Bei letzteren lese ich bevorzugt alternative Meinungen von Querdenkern gegenüber den oft gleichgeschalteten Ansichten in den sogenannten „Mainstream-Medien“.

Erklär mir das

Als praktisch veranlagter Mensch verschenke ich zu Geburtstagen meistens etwas Praktisches, etwas, was man im Alltag gebrauchen kann. Daher wäre für mich persönlich ein guter Artikel erstmal einer, der mich in irgend einer Weise bei meiner Arbeit weiterbringt. Ich suche im Netz oft Lösungen für ein Problem, das sich aktuell stellt, z.B. wie funktioniert ein horizontales Seiten-Scrolling mit jQuery? Welches Plugin ist ideal zur Anzeige passender Artikel im Fußbereich meines Blogs? Was taugt der Monitor XYZ? Manchmal aber auch Fragen zur „Berechnung der Abschreibung geringwertige Wirtschaftsgüter“ oder „was tun gegen eingerissene Mundwinkel?“.

Der Artikel sollte dann möglichst ausführlich sein und auch die Hintergründe beleuchten. Idealerweise ist er für jemanden geschrieben, der zwar nicht schwachsinnig, aber relativ neu in der jeweiligen Materie ist. Viele Autoren gehen mE von zuviel vorhanden Hintergrundwissen aus, sodass man sich dieses zusätzlich zusammengooglen muss. Bei Adam und Eva anzufangen ist nicht nötig, aber ein paar Links zu erklärenden Seiten mehr könnte man oft setzen.

Demzufolge mag und verlinke ich Artikel, die ein Problem oder einen Sachverhalt möglichst ausführlich von mehreren Seiten beleuchten und dann eine funktionierende Lösung anbieten. Artikel, die mich und andere weiterbringen. Die hohe Kunst sind Beiträge, die den Horizont erweitern, neue Sichtweisen eröffnen oder mich auf Ideen bringen. Sehr selten sowas, aber es gibt sie durchaus.

Der Autor meines gutes Artikels kann Sachverhalte anschaulich erklären, bei komplizierten Zusammenhängen nutzt er ggf. Bilder oder Vergleiche zur Vereinfachung. Habe ich beim dritten Lesen immer noch nicht kapiert, wie das funktioniert oder warum dies so und jenes so ist, bin entweder ich zu blöd oder dem Schreiber mangelt es an Didaktischer Kompetenz (oder beides).

Cojones

In meinem vorhergehenden Beitrag „Artikel-Massenproduktion“ hatte ich schon beklagt, dass viele Schreiber sich nicht trauen, ihre Meinung zu sagen, oder noch schlimmer: sie haben keine. In einem guten Artikel wünsche ich mir die persönliche Meinung des Autors, was denkt er über das Produkt oder die Sachfrage, gut oder schlecht, nützlich oder quatsch? Diese kann auch gerne in humorvolle oder sarkastische Bemerkungen verdeutlicht werden, das gibt einem guten Artikel die Würze. Jemanden direkt beleidigen muss man dabei nicht.

Ich möchte das Gefühl haben, dass der Schreiber auch hinter seinem Text steht, seine Persönlichkeit einbringt und nicht nur ein paar Fakten zusammendengelt, um seinen Blog-Soll zu erfüllen. Ich sehe ein, dass die eigene Meinung manchmal nicht passt, aber falls doch würde ich sie gerne lesen.

Ich mag auch, wenn jemand sich für etwas begeistern kann, für eine Sache brennt. In einem guten Text liest man das mit. Oder jemand äußert berechtigte Kritik und begründet seine Ansicht schlüssig; beispielsweise habe ich mehrere Artikel über das Abmahnunwesen hierzulande verfasst, einfach, weil es mich das Versagen der Politik maßlos ärgert.

Weitere Beispiele für wünschenswerte Kritik aus meinem Blog wäre Windows 8, das halte ich in weiten Teilen für einen Totalausfall, der mir keinerlei erkennbaren Nutzen bringt. Apple-Produkte kommen mir ebenfalls aus wohlüberlegten Gründen nicht ins Haus. Damit habe ich es mir mit einer Reihe von Leute schon verscherzt, die jeweiligen Hersteller werden zudem wahrscheinlich bis ans Ende aller Tage in meinem Blog keine Werbung schalten, aber was solls?

Insgesamt würde es uns alles gut tun, wenn wir mehr „das Maul aufmachen“. Zu einem Volk meinungsloser Konsumzombies möchte ich nicht gehören.

Weggeklickt

Zusammengefasst und erweitert hier meine persönliche Liste der für mich übelsten Artikel-Eigenschaften, die mir einfallen:

  • Wie oben bereits angesprochen: kurze Artikel. Wenig Text ist wenig Inhalt, mag es nicht, bei vielversprechenden Überschriften anschließend enttäuscht zu werden. Auch das „Aufblasen“ von wenig Inhalt mit zahlreichen Bildern merke ich sofort.
  • Auflistung von Belanglosigkeiten, um die 300 Wortmarke zu erreichen.
  • Schlechtes Deutsch: zahlreiche Wortwiederholungen, tausend Rechtschreibfehler, Komma-Regeln völlig unbekannt, Yoda-Grammatik, Deppenapostrophe… Ich denke mir, dass jemand, der nicht halbwegs vernünftig schreiben kann, auch sonst wahrscheinlich wenig Ahnung von dem haben wird, über das er da spricht.
  • Fehlender roter Faden im Text.
  • Mieses Layout, winzige Schriften, geringer Zeilenabstand, wilde Formatierung der Texte mit viel Fettschrift, zahlreichen Unterstreichungen etc.. Zu miesem Layout würde ich auch Blogs in Comic Sans oder mit bunten Bärchen im Hintergrund zählen.
  • Ganz schlimm: keine Absätze, keine Zwischenüberschriften. Das macht das Lesen sehr mühsam, da verliere ich sehr schnell die Übersicht und die Geduld.
  • Speichelleckerei und Uniformität in jeglicher Form, siehe „Cojones“.
  • Übertriebener Einsatz von Anglizismen (Denglisch).
  • Fäkal- und Prollsprache gehen natürlich ebenfalls gar nicht.

Diese Liste mag knallhart klingen und ich behaupte auch nicht, dass ich selber immer und überall perfekt bin. Den idealen Blog-Artikel, der alle Probleme löst und witzig mit viel Persönlichkeit geschrieben ist, gibt es äußerst selten, schon klar. Um eine solide Basis für einen guten Artikel zu legen sollten Sie meiner Meinung nach möglichst alles oben genannte vermeiden, dann zählen Ihre Ideen, Eloquenz und Fachwissen.

Fazit

Die Fähigkeit, gut, informativ und spannend zu schreiben, erlangt man nicht von heute auf morgen, das haben Sie sich sicher auch schon gedacht. Wichtig ist, dass man dranbleibt, sich weiter entwickelt. Toll wäre es, wenn jeder Beitrag noch ein Stückchen besser wird als der vorhergehende. Und nehmen Sie sich Zeit, ein guter Text entsteht meist nicht in einer Stunde, das dauert wesentlich länger. Eine gute Hilfe ist es auch das erneute Lesen und Umschreiben einen oder zwei Tage später.

Auch ich habe das alles lernen müssen, meine ersten Artikel sind mir heute manchmal zu kurz, haben zuwenig Tiefgang, zuviele verschachtelte Sätze. Ich versuche, an geeigneter Stelle nachzubessern, meine neueren Artikel lese ich persönlich tatsächlich lieber. Ich hoffe, es sind zumeist gute Artikel, die die Leser interessieren und vielleicht weiterbringen.

Kommentare

Kommentare

  1. Hallo Christian,

    vielen Dank für deinen Beitrag zur Blogparade!

    Ja die berühmten 300 Wörter :) Viele haben leider noch nicht begriffen, dass es nicht das Ziel von Google ist, irgendwelche 0815 Blogs und Webseiten beliebt zu machen, sondern bereits beliebte Seiten gut zu ranken. Und das wird lange dauern, wenn die Beiträge keine klare Aussage haben und der Schreiber keine Meinung hat. Da geb ich dir Recht.

    Liebe Grüße und schönen Sonntag!
    Martin

  2. Tabea schrieb:

    Hallo Christian,
    Ich finde deinen Artikel wirklich toll und bin wirklich froh, mir vorgenommen zu haben, die von allen Teilnehmern zu lesen, denn sonst hätte ich deinen womöglich auch nicht gelesen.
    Ich finde deinen Schreibstil sehr angenehm zu lesen und dein Text ist in sich schlüssig, auch wenn ich ja teilweise andere Kriterien für gute Artikel habe.
    Liebe Grüße
    Tabea

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