Geschrieben von Christian Schnettelker

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Die Preise der Anderen

Bei meinen Ausflügen im Netz besuchte ich kürzlich die Webseite einer Webdesign-Agentur aus dem schönen München. Diese biete auf Ihren Seiten ebenfalls einen Kostenrechner an, den ich natürlich prompt mit den Eckdaten meines letzten Projektes einmal ausprobierte. Hier das Ergebnis:

Preis-Kalkulation
Schon ganz beachtlich, was da an Kosten aufläuft, immerhin sind die selbstverständlichen sprechenden URLs, die selbstverständliche Cross-Browser-Kompatibilität und die selbstverständliche Fehlerseite kostenlos.

Wenn Sie sich die Mühe machen möchten zu ermitteln, was das Projekt bei mir kosten würde, hier die Eckdaten für meinen Webdesign-Kostenrechner:

Neuer Auftritt / Großes Projekt mit mehr als 20 Seiten /
Layoutidee liegt vor / Joomla als CMS / Responsive Layout

Hmm, ich komme auf ungefähr die Hälfte, auweia…

Viele Häuptlinge, wenig Indianer

Ich will fair bleiben, natürlich ist billiger nicht immer besser. München ist ein wesentlich teureres Pflaster als Essen, die Dependance der Firma in den USA sicher auch nicht billig und wahrscheinlich hat man viele Häuptlinge und wenig Indianer, die alle versorgt werden möchten. Aber wie sieht es mit der Leistung aus, was erhält der Kunde unter‘m Strich?

Dazu habe ich für die als Joomla-Beispielprojekt angegebene Webseite einmal den SEO-Score ermittelt – nochmal zur Auffrischung: zwischen 0 und 40% (rot) ist schlecht, 41 bis 79% (gelb) ist halbwegs akzeptabel, aber meist verbesserungswürdig, insbesondere zwischen 41 und 70%. Ab 80% (grün) ist alles im grünen Bereich, so sollte es möglichst immer sein.

Ergebnis: der SEO-Score für diese Joomla-Referenzseite liegt bei mageren 55% (gelb). Zusätzlich meldet das Programm einige recht krasse Webdesign-Fehler:

  • Es gibt mehrere Meta-Description Elemente
  • Verschiedene Sprachangaben auf der Seite widersprechen sich
  • Es ist kein Favicon im HTML-Code verlinkt

Das sind alles Sachen, die man innerhalb von 10 bis 15 Minuten abgestellt hätte, statt in Münchner Biergärten das Geld der Kunden durch den Konsum von „Feuerwasser“ zu verprassen.

Das man diese Fehler überhaupt übersehen konnte ist mE ein untrügliches Zeichen dafür, das offenbar keines der (oft frei verfügbaren) Werkzeuge zur Messung der SEO-Parameter zum Einsatz kommt – unverzeihlich und unfair dem Kunden gegenüber, wie ich finde. Man spricht sozusagen „mit gespaltener Zunge“.

Optisch ist die Seite dann auch leider nichts besonderes, ein Kastendesign, welches die vorhandene Fläche des Bildschirms nicht nutzt und feste Formate vorgibt, ein an Tablets und Smartphones angepasstes Responsive Webdesign ist erst gar nicht vorhanden.

Natürlich weiß ich nicht, wie das Projekt abgelaufen und welche Schwierigkeiten dort aufgetreten sind, aber als Referenz hätte ich persönlich bei einem Preis von geschätzten 4.000 – 5.000 EUR schon wesentlich mehr erwartet.

Übrigens, der Fairness halber, ist die eigene Firmen-Webseite SEO-technisch mit 84% (grün) gut aufgestellt – davon hat obiger Beispielkunde allerdings nichts.

Old Shatterhand

Die Agentur scheint mir Joomla sowieso ehr „ungerne“ zu verkaufen, lieber sind denen wohl Projekte mit Typo3, entsprechend ist die Referenzliste hier auch wesentlich länger. Mit Joomla, so die Webseite, würde man „schnell Grenzen stoßen“.

Das Thema werde ich in einem anderen Artikel einmal aufgreifen, soviel aber schon mal vorab: ich will Typo3 seine Existenzberechtigung gar nicht absprechen, aber bis dato ist mir noch kein Projekt und keine Situation begegnet, die man mit Joomla nicht auch (und meist wesentlich einfacher) hätte lösen können.

Typo3 macht meines Erachtens erst dann Sinn, wenn man ein wirklich riesiges Projekt stemmen muss, an dem viele Leute gleichzeitig arbeiten und Texte editieren. Und natürlich für Leute, die sich darauf spezialisiert haben. Ich möchte niemanden etwas unterstellen, aber für mich sieht das idR meist so aus, dass man dem Kunden Typo3 gerne verkauft, da man mit der Installation und Wartung dann einfach mehr Geld machen kann.

Irgendwoher muss die Kohle für das nächste Maß im Biergarten und die neuen Firmenwagen der vielen Häuptlinge ja schließlich kommen. Vielleicht tue ich den Leuten aber auch Unrecht und ich gebe zu, dass ich eine gewisse Aversion gegen Typo3 habe, da es mir zu kompliziert und die Bedienung rein optisch zu antiquiert ist.

Daher habe ich mich auf Joomla spezialisiert, es wird also nichts mit meiner Indianer-Karriere, sehe mich aber sowieso eher, um im Bild zu bleiben, als „Old Shatterhand“.

Fazit

Es läuft immer wieder auf das selbe hinaus: glauben Sie den Versprechungen eines Webdesigners auf der Startseite kein Wort, auch mir nicht! Prüfen Sie mit einem SEO-Tool Ihrer Wahl, wie die aufgeführten Referenzseiten dort abschneiden.

Lesen Sie ein paar Absätze der Startseite, falls er/sie einen Blog führt schauen Sie sich auch einige Artikel an. Was wird dort geschrieben, nur Denglisch-Technikgequassel und „Wir wünschen allen Lesern ein frohes Osterfest“ oder gibt es handfeste Informationen? Ist der Schreiber des Deutschen mächtig oder eine bildungsferne Shopping-Queen? Sind alle referenzierten Webseiten mausgrau, steingrau, aschgrau…?

Mit diesen einfachen Tests sollten Sie 98% aller „Schwarzfußindianer“ schon im Vorfeld aussortieren können, dann spielt natürlich auch der Preis für die Leistung und der persönliche Geschmack eine Rolle. Und lassen Sie sich für den Transport einer Bananenkiste nicht gleich ein 400m langes Containerschiff verkaufen.

Falls Sie mir Ihr Vertrauen schenken möchten stehe ich – samt Henrystutzen und Hatatitla – ab Januar wieder für neue Abenteuer zur Verfügung – wenn ich mich nicht irre!

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