Geschrieben von Christian Schnettelker

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Der kleine Horrorladen

Ich wurde heute durch einen Auftritt, der mir zur Überarbeitung vorgestellt wurde, auf die Webseite einer „Kollegin“ im Internet aufmerksam; eine Dame namens Svenja E. aus dem hohen Norden betreibt diese seit 2007.
SEO-Score
Dabei macht die „schreckliche Svenja“, wie ich sie nennen möchte, so ziemlich alles falsch, was man diesbezüglich auch nur falsch machen kann, ihr „kleiner Horrorladen“ wurde für zahlreiche Opfer also tatsächlich zur Endstation.

Eine gruselige Geschichte nach einer wahren Webseite…

Füttere mich, Seymour!

Gleich auf der Startseite der erste, dicke Fehler: sie bietet neben dem Webdesign auch das Besticken von Kleidung, die Erstellung von Vektorgrafiken, Logo-Entwicklung, Cover/Buchgestaltung, Design von Geschäftspapieren und, da das anscheinend immer noch nicht reicht, auch Photografie an.

Wie ich in meinem Artikel „Kunden buchen Experten“ vom letzten September bereits ausführlich darlegte, ist so ein „Gemischtwarenladen“ praktisch immer kontraproduktiv; niemand braucht Mittelmaß und gibt sich damit zufrieden. Schon gar nicht beim Webdesign und schon überhaupt gar nicht in der heutigen Zeit hochqualitativer Webseiten, mit denen man ständig gemessen wird. Weniger wäre wieder einmal mehr gewesen.

Zweiter Fehler besagter Svenja: Schreiben ist anscheinend nicht ihr Ding. Praktisch jede Seite ist mehr oder weniger leer, ein oder zwei Sätze mit Belanglosigkeiten verlieren sich auf den schmucklosen Seiten.

Wie Sie sich vielleicht denken können ist das absolut tödlich für die Positionierung in den Suchmaschinen und frustrierend für die Besucher, siehe meinen Artikel „Schreibfaulheit“ aus der Serie „Webdesign-Fehler“ vom November 2013. Dafür schreibt Svenja konsequent alles klein und Webdesign als „web.design“, sieht ja auch viel cooler aus und vermindert nochmals wirkungsvoll die Chance, gefunden zu werden.

Als dritten Fehler geht unsere schreckliche Svenja beim Layout ihrer Webseiten wie selbstverständlich davon aus, das alle den gleichen Bildschirm haben, wie sie. Wäre sie nicht so schreibfaul und hätte sie mehr Text auf ihrer Seite dürfte man garantiert, wie bei diesem Typus Webdesignern üblich, in winzigen Textboxen scrollen, während 80% des riesigen TFTs ungenutzt bleibt.

Um etwas längeren Text dann in kleine Boxen quetschen zu können ist der genutzte Font winzig — bitte treten Sie näher und schauen Sie sich diese seltsame Pflanze ganz genau an… Das Versagen in diesem Punkt wird durch insgesamt sieben Fehler im HTML-Code der Startseite ihres Horrorladens komplettiert, welche der W3C Markup Validation Service auswirft.

Erde ruft Svenja, Erde ruft Svenja…

Nun aber zur schlimmsten Untat der Dame mit dem nordischen Namen; sie muss wirklich aus dem Weltall kommen, denn von einer Optimierung für Suchmaschinen (SEO) hat sie noch absolut gar nichts gehört. Die anfangs angesprochene, mir heute vorgestellte und von Svenja gestaltete Seite hat mit nur 10 von 100 möglichen Punkten den absolut tiefsten SEO-Score, dem ich bis dato begegnet bin. Da stimmt gar nichts, eine Aufzählung würde den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Gleiches gilt für alle Seiten aller anderen Kunden ihres Ladens, im Versagen ist sie äußerst konsequent. Ob das nun Dummheit, Faulheit oder die Folge kosmischer Strahlung ist, kann ich nur vermuten. In jedem Falle ist es zum Nachteil ihrer nichtsahnenden Opfer.

Neben der Technik hat Svenja auch nicht kapiert, dass viele Leute nach einem oder mehreren allgemeinen Schlagwörter suchen, also z.B. nach „Zahnarzt Hamburg“ statt konkret nach „Dr. Orin Scrivello“. Um ihr Versagen auch hier komplett zu machen finden sich in dem so wichtigen Seitentitel sämtlicher Werke folgerichtig weder Schlagwörter noch Ortsangaben. In der Regel wird einfach nur der Kundenname angegeben, welchen der Suchende bitteschön exakt zu kennen hat.

Flucht aus dem Horrorladen

Svenja sitzt oft alleine im Laden und wartet auf Kundschaft, die Geschäfte laufen schlecht. Ein Viertel der dünnen Referenzliste ist bereits nicht mehr verlinkt, zahlreiche Kunden sind zudem offline oder haben sich zwischenzeitlich einen anderen „Webdesigner“ gesucht.

Aus Spaß besuchte ich einige dieser geflüchteten Kunden, die neue Optik fand ich meist so „la la“. Hinsichtlich Suchmaschinen sind viele dieser bedauernswerten Leute allerdings vom Regen in die Traufe gekommen, da sich der SEO-Score ihrer neuen Seite immer noch im blutroten Bereich befindet. Es läuft also leider allzuoft frei nach Kurt Tucholsky:

Die Dummen begehen immer den gleichen Fehler, die Schlauen immer neue.

Was soll ich abschließend nun zu Svenja und ihrem Horrorladen sagen? Ihr Motto scheint mir „Mein Geschäft – Ihr Untergang“ zu sein. Leute wie diese Frau gibt es hunderttausende, man hat einmal eine Webseite zusammengefrickelt und bietet das nun stolz weltweit als „professionelles Webdesign“ an. So entstehen Millionen scheußlicher Webauftritte, die über eine Google-Suche praktisch nicht auffindbar sind und den Inhabern nichts als Kosten bringen.

Es bleibt also noch viel zu tun, mein abschließender Rat: hüten Sie sich vor fleischfressenden Pflanzen und den Billig-Angeboten der schrecklichen Svens und Svenjas dieser Welt.

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