Geschrieben von Christian Schnettelker

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Datensicherungen

Da heute mehr und mehr Daten digital anfallen und kostengünstig auf HDs gespeichert werden können wird das Thema Datensicherung zunehmend wichtiger. Der Verlust von Geschäftsdaten kann für einen Dienstleister wie mich die Existenz vernichten, aus diesem Grunde habe ich mir ein Sicherungskonzept überlegt, das sich über die Jahre bewährt hat und welches ich hier vorstellen möchte.

Noch ein Hinweis, weil das Thema momentan aktuell ist: ein Hochladen der Daten in eine „Cloud“ kommt für mich aus zwei Gründen nicht in Frage: zum einen ist meine lokale Datenverbindung dafür einfach zu langsam, zum zweiten möchte ich meine Geschäftsdaten nicht auf Rechnern fremder Firmen und direkt in den Klauen der NSA wissen.

Foto meiner externen Festplatten

Burn baby, burn

Auch das allseits beliebte „Brennen“ von Daten auf CDs oder DVDs habe ich schnell aufgegeben, es dauert es mir einfach zu lange und die Datenträger sind nicht einmal annähernd groß genug, ich würde automatisch zu einer Art „Discjockey“.

Drittens habe ich, nach vielen leidvollen Erfahrungen, das Vertrauen in die Haltbarkeit der Daten auf optischen Datenträgern komplett verloren: Datensicherungs-CDs, die ich um das Jahr 2000 herum einmal gebrannt hatte, waren schon 2005 zu 80% trotz guter Lagerung nicht mehr lesbar, neuere DVDs sind oft sogar schon nach einem Jahr „blind“. Und nein, es waren keine Billig-Rohlinge aus dem Kaufhaus, sondern sogenannte „Markenware“.

Das Problem ist, dass man heute gute Rohlinge vom „Phuyuck-Chinaschrott“ nicht unterscheiden kann, da auch Markenhersteller ihr Rohmaterial aus unterschiedlichsten Quellen beziehen – es muss ja alles möglichst billig sein.

Apropos. diese ganze Geschichte mit billigen „Phujuck“-Rohlingen klingt vielleicht im ersten Moment witzig, in den nächsten Jahren werden allerdings viele Leute erschreckt feststellen, dass das Video des Kindes oder die Bilder der schönen Urlaubsreise, welche man sicher auf CD oder DVD gebrannt hatte und bewahrt glaubte, dank unlesbarem Datenträger für immer fort sind.

Spätestens da hört der Spaß auf und bittere Tränen werden fließen.

Trennung von Programmen und Daten

Zurück zu meinem Konzept: ich benutze zur Sicherung und gleichzeitiger Verschlüsselung meiner Daten, respektive der Daten meiner Kunden, die frei verfügbare Software TrueCrypt. Damit erstellte ich zuerst einen sogenannten „TrueCrypt-Container“, das ist im Prinzip eine einfache, im Moment 50 GB große, formatierte Datei. Diese Container-Datei lässt sich über TrueCrypt als ein Laufwerk, bei mir Laufwerk Z:, in Windows einbinden („mounten“).

Alle Daten meiner Kunden, Angebote, Entwürfe etc. speichere ich dann auf diesem verschlüsselten Laufwerk und habe auch Software wie Windows Live Mail so eingestellt, dass die Emails über Z: verwaltet werden. Die Programme und Windows selber sind auf anderen Laufwerken abgelegt, es erfolgt also eine Trennung von ersetzbaren Programmen und wichtigen Daten.

Zur Sicherung genügt es nun, diese TrueCrypt-Container-Datei regelmäßig auf externe Festplatten zu kopieren und selbige an möglichst verschiedenen Orten aufzubewahren. Da die Datei nur 50 GB groß ist geht der Kopiervorgang relativ schnell, ich benötige keine Spezialsoftware und kann kleinere, ältere Festplatten dazu nutzen, die sonst keine Verwendung mehr finden würden.

Auch sind verschiedene Datenstände einfach realisierbar, indem den Dateinamen der einzelnen Sicherungsdateien das Datum ihrer Erstellung angehangen wird.

Alles oder nichts

Ich habe oft festgestellt, dass viele Leute sich mit einer Sicherung in vermeintlicher Sicherheit wiegen, in der Regel aber gar nicht wissen, welche Dateien das jeweilige Programm überhaupt kopiert und in wiefern diese nach einem Notfall wiederhergestellt werden können. Ein Zurückspielen der Daten wird meist nicht simuliert, oft, weil es zu umständlich ist oder scheint.

Da ich bei meiner Methode den kompletten Inhalt meines „Datenlaufwerks“ Z: kopiere, brauche ich mir auch darum keine Gedanken zu machen und später ggf. nach Dateien suchen, die aus irgend einem Grunde nicht mitgesichert wurden.

Der GAU

Irgendwann kommt es unweigerlich zum GAU: Festplatte kaputt, Einbruch, Brand… Fall 1: bei einem Festplattencrash schließe ich eine dieser Sicherungs-HDs an und binde die darauf befindliche Container-Datei ein, um anschließend ohne großen Datenverlust weiterzuarbeiten.

Fall 2: Käme mir nun eine dieser externen Festplatten oder eine Sicherungsdatei abhanden, beispielsweise durch einen Einbruch, könnte der Dieb nicht auf die Kundendaten zugreifen, da sich die TrueCrypt-Container-Dateien nur mittels richtiger Passwörter einbinden lassen.

Zum Abschluss noch der weise Spruch meines ehemaligen Chefs:

Die teuerste Sicherung ist die, die man nicht macht!

Nachtrag vom 18. August 2013

Heute kam es zum besagten GAU, lesen Sie auf „Hardware-Ausfall“, was passiert ist.

Nachtrag vom Dezember 2016

Da TrueCrypt inzwischen nicht mehr weiterentwickelt wird nutze ich jetzt den inoffiziellen Nachfolger VeraCrypt.

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Kommentare

Kommentare

  1. Thorsten schrieb:

    Hallo Christian,

    warum bist Du per se gegen die „Cloud“? Als zusätzliche (!) Sicherung kleinerer – vor allem aktueller (z.B. neues Webprojekt) – Dateien setze ich Online-Angebote durchaus gerne ein.
    Voraussetzungen allerdings: Verschlüsselte Datei (ich nutze z.B. WinRAR) und Anbieter/Server in Deutschland.

    Grundsätzlich sichere ich meine (wichtigsten) Dateien folgendermaßen:

    1. Externe Festplatte am PC
    2. Auf einem USB-Stick am Schlüsselbund (verschlüsselt)
    3. Bei EiDrive (Name ähnlich), also Cloud (verschlüsselt)
    Dort kann man übrigens auch TC-Container via FTP hochladen und mittels Windows-Explorer aktualisieren / befüllen.
    4. Externe Festplatte auswärts – bei meiner Mutter gelagert ;-)
    5. Auf meinem FTP-Server („Arbeits-Domain“) (verschlüsselt)

    Ja, ist einiges an Aufwand, aber nachdem mir vor einigen Jahren innert eines Monats gleich zwei Festplatten abgeraucht waren und ich ziemlich viele, ungesicherte Dateien verloren hatte, gehe ich auf Nummer sicher.

    Grüße aus „Tief im Westen“ ;-)
    Thorsten

    P.S. Beim ersten Absenden dieses Kommentars hatte ich keine E-Mail-Adresse angegeben, denn es steht hier kein Hinweis zur Verpflichtung dieser Angabe. Beim Absenden kam eine Fehlermeldung, ein „zurück“ hierhin hatte meinen geschriebenen Kommentar ins Nirvana geschickt. Zum Glück hatte ich meinen Text via Strg + C im Cache.

    • Danke für den Hinweis, es wird bei den Kommentaren nun auf die Pflichtfelder hingewiesen. Betreff „Cloud“, für mich nach wie vor kein Thema aus den bereits genannten Gründen.

      Ich sichere täglich inzwischen ca. 500 GB an VeraCrypt-Containern auf externen Festplatten, habe für jeden Wochentag eine dabei, die ich abends nach Hause mitnehme. Das funktioniert schnell, zuverlässig und günstig, ich sehe daher zur Zeit keinen Grund, etwas daran zu ändern.

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