Geschrieben von Christian Schnettelker

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Buchbesprechung „Web Fatale“

Einige private und geschäftliche Dinge haben mich sowohl vom Lesen im Buch als auch vom Schreiben im Blog abgehalten, geschlagene zwei Monate sind vergangen. Nun ist aber zumindest meine Rezension des Buches „Web Fatale“ fertig:

Buchbesprechung Web Fatale
Web Fatale : wie du Webseiten gestaltest, denen niemand widerstehen kann
Johannes Ippen, Verlag „Rheinwerk“, 1. Auflage 2016, Broschiert 348 Seiten für 34,90 EUR
ISBN-10: 3836238985
ISBN-13: 978-3836238984


Rundumschlag

Erst einmal bin ich über dieses Buch überrascht, ich hatte eine Art von „Ratgeber“ erwartet, was genau man nach Ansicht des Autors tun muss, um eine Webseite zu gestalten, der niemand widerstehen kann. Das vorliegende Buch erwies sich aber mehr als eine Art von „Rundumschlag“, eine Projekt-Beratung, wie sie vielleicht auch eine gute Werbe- oder Web-Agentur leisten würde (wenn man sich diesen Luxus leisten kann).

Zur Form: Ippens Schreibstil ist jung, modern, gut lesbar, es gibt wenig bis keine kompliziert verschachtelten Sätze. Im Buch sind zahlreiche Abbildungen der angesprochenen Seiten („Screenshots“) enthalten, was nützlich ist, damit man die Seiten nicht selber aufrufen und dafür das Buch weglegen muss.

Der Autor beginnt mit Kapiteln zur Bedienbarkeit und Benutzererfahrung, natürlich spricht er von „Usability“ und „User Experiences“ – dazu komme ich noch. Sie sind ein kurzer Abriss der im von mir bereits rezensierten Buch „Don’t make me think!“ enthaltenen Informationen, letzteres Buch ist hier wesentlich ausführlicher. Also auch hier: das Buch gibt einen Hinweis, auf diesen Punkt zu achten und ein paar Beispiele, geht aber nicht in die Tiefe.

Weiter geht es mit allerlei Erfolgsgeschichten und Beispielen, wie andere den Erfolg erreicht haben – recht interessant. Gut gefallen haben mir die Checklisten zu jedem Kapitel, das ist hilfreich und praxisbezogen. Web Fatale endet schließlich mit Kapiteln zur Vermarktung („Marketing“), großen Wert legt Ippen dabei zurecht auf die sozialen Medien.

Mir fehlt im Buch zumindest die Ansprache rechtliche Aspekte, z.B. Urheberrecht, Datenschutz-Hinweispflichten, Cookie-Banner etc.. So wenig mir das auch gefällt und sosehr ich es zum Teufel wünsche muss ich mich, der eine Webseite in Deutschland betreiben und nicht abgemahnt werden möchte, einmal damit beschäftigen – alles andere wäre töricht.

Zwischenfazit

Das Buch macht meines Erachtens Sinn für Leute, die eine Webseite planen, ohne tief ins Detail zu gehen. Der Untertitel des Werkes könnte vielleicht konkreter

Was Sie bei der Planung, Gestaltung und Vermarktung Ihres Webauftritts beachten sollten, damit dieser erfolgreich wird

lauten. Ich gebe aber zu, dieser Untertitel ist weit weniger griffig.

Was mir nicht gefallen hat

Wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten, das kann ich leider nicht auslassen. Erst einmal neigt der freundliche Herr Ippen stark zu Anglizismen, mir kräuselten sich beim Lesen des Öfteren die Fußnägel. Hier eine kleine Liste der schlimmsten Konstruktionen, die ich gesammelt habe:

Usercase / Daily Active Users / Windowed Interfaces / gelayoutet / Performance / Redesign / Lifestyle / Launch / Sessions / Hard Facts / Bildschirmusabilty / Overlays / Involvement / Consumption Design / Mall / Nutzerflow / Typefaces / Expericence Design / Teaser / Lifestyleentscheidungen / Flagshipstore / Feature Walkthrough / Moodboards / Storytelling / Touchdevices / Wording / Notifications / Location / Onboarding

Mir ist schon klar, dass manche Begriffe sich nicht vermeiden lassen und einige Anglizismen nur deswegen vorkommen, um Wortwiederholungen zu vermeiden. Trotzdem ist mir die häufige Verwendung englischer Begriffe und abenteuerliche Kombinationen aus Deutsch und Englisch („Bildschirmusabilty“, „Lifestyleentscheidungen“) stark negativ aufgefallen.

Eine solche Ausdrucksweise wird unserer schönen und exakten Sprache nicht gerecht, wir sollten mit diesem uns anvertrauten Erbe verantwortungsvoller umgehen und nicht alles gedankenlos dem Zeitgeist opfern. Bei mir jedenfalls erreicht sie fast das Gegenteil des Gewünschten; sie wirkt nicht kompetent und frisch, sondern eher anbiedernd und allzu offensichtlich um Modernität bemüht.

Dann ist der Autor wohl Anhänger der Geräte des Herstellers mit dem Obst-Logo, diese neigen nach meiner Erfahrung praktisch von Natur aus stark zu Missionierung. Er sagt es nicht direkt, aber man kann zwischen den Zeilen lesen, dass er diese in jeder Hinsicht gegenüber anderen Produkten für überlegen hält. Hier hätte ich mir mehr Neutralität gewünscht, denn nicht alle sehen das so oder sie sehen es sogar vollkommen anders – zu Letzteren darf ich mich auch zählen.

Abschließend noch ein kleiner Hinweis an den Verlag: auf Seite 211 gibt es einen doppelten Absatz (oder stellt dies einen Aufmerksamkeitstest dar?).

Fazit

Man kann den Kauf dieses Buches durchaus empfehlen, allerdings eher weniger dem typischen Webdesigner, der für die optische Gestaltung und die Technik verantwortlich ist. Dieser wäre nach meinem Geschmack mit spezielleren Ratgebern, die in die Tiefe gehen, besser bedient.

Empfehlen würde ich „Web Fatale“ Projekt-Verantwortlichen, die eine Webseite als Ganzes betrachten, Fehler vermeiden und das Projekt zum wirtschaftlichen Erfolg führen möchten. In manchen Fällen ist Webdesigner und Projekt-Verantwortlicher aber auch ein- und dieselbe Person, dann schadet es sicher nicht, dieses Buch gelesen zu haben.

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