Geschrieben von Christian Schnettelker

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Artikel-Massenproduktion

Ich habe mich kürzlich wieder intensiver mit meinem Blog befasst, wie geht es weiter, was kann verbessert werden etc.. Dabei las ich natürlich auch einige Tipps und Beiträge anderer Blogger im Netz, vieles ist interessant und wirklich sehr hilfreich. Mir ist aber auch etwas anderes aufgefallen, ein Phänomen, welches ich als „Artikelproduktion am Fließband“ bezeichnen möchte.

Einige Blogs bestehen gänzlich oder zu großen Teilen aus schnell zusammen-geklöppelten 300 Wort-Texten voller Allgemeinplätze, nach deren Studium man genauso schlau ist, wie zuvor. Da macht das Lesen keinen Spaß und wird zur reinen Zeitverschwendung, warum manchen diese Leute das?

„Publish or perish“

Diese aus der Wissenschaft bekannte Redewendung scheint inzwischen auch bei vielen Bloggern angekommen zu sein. Hier zählt dann nicht unbedingt der Informations-, Unterhaltungs- oder Mehrwert, den ein Beitrag für den Lesen bringen soll, sondern…

  • die Frequenz der Veröffentlichung solcher „Artikel“, manchmal bis zu 20 Stück davon am Tag und
  • das möglichst viele Schlagwörter eines Themas – vornehmlich eines möglichst aktuellen – im Text vorkommen.

Damit möchte man auf Teufel komm raus möglichst viele Treffer über die Suchmaschinen, viel Traffic und somit mehr Geld für die in jeweiligen Blog geschaltete Werbung erreichen. Gestreckt werden diese Werke oft auch noch durch zahlreiche Bilder, dann fällt der fade Inhalt nicht ganz so schnell auf. Und warum mindestens 300 Wörter werden Sie vielleicht fragen? Nun, das gilt gemeinhin als unterste Grenze für einen Blog-Artikel, woher die Zahl genau kommt weiß ich gar nicht.

Cat: The sky is blue
Ben: Thanks, Captain Obvious

Gerne wird, um die Artikel schnell fertig zu bekommen, immer und immer wieder das Offensichtliche durchgekaut, da braucht man nicht lange zu überlegen. Oder man kopiert das dünne Gewäsch eines anderen Massenbloggers, schreibt es etwas um und fertig ist der nächste Aufguss. Bei einer solchen Artikel-Massenproduktion kommen dann so unglaublich wertvolle Tipps heraus wie diese drei zum Thema „Wie erhöhe ich den Traffic auf meinem Blog?“:

  • Trage deinen Blog in Suchmaschinen ein wie Google, Yahoo oder Bing
  • Schreibe interessante Posts, so dass deine User auch gerne wieder kommen
  • Mach dir einen coolen Hipster-Beutel mit deiner Blogadresse drauf

Danke, das sind genau die Informationen, nach denen ich gesucht hatte. Zum ersten Tipp würde ich dann noch sagen: „Grammatik gelernt bei Yoda Du hast“. Beim Lesen dieser „Posts“ ist mir oft durch den Kopf gegangen, ob der Autor seine „User“ möglicherweise bewusst oder unbewusst für komplett schwachsinnig hält. Anders konnte ich es mir zum Teil einfach nicht erklären, was da manchmal für ein belangloser Müll zusammengefaselt wird.

Nun noch eine erschreckende Wahrheit: viele der Autoren haben einfach keine eigene Meinung oder trauen sich nicht, diese auszudrücken. Man will sich nicht festlegen um ja keinem Werbepartner zu vergraulen, denn mit Leuten, die nicht 100% ins Schema passen, macht man angeblich ungerne Geschäfte. Diesen Everybodys-Darling-Autoren fehlt etwas, was die Spanier als „Cojones“ bezeichnen, die Texte sind weichgespült, ohne Ecken und Kanten. Und meist sterbenslangweilig.

„Either write something worth reading or do something worth writing“ (Benjamin Franklin)

Laut Dale Carnegies bekanntem Werk „Wie man Freunde gewinnt“ soll man ja möglichst versuchen, die Dinge auch aus der Position des Anderen sehen, das will ich hier einmal tun. Hauptmotivation der Akkord-Schreiber wird das Geld sein, wie oben beschrieben führt die Artikelproduktion am Fließband erst mal zu höherem Traffic und damit zu größeren Werbeeinnahmen.

Vielleicht fällt dem einem oder anderen auch schlicht und ergreifend nichts Schlaues zu einem Thema ein sodass sie/er sich mit Wiederholungen von Allgemeinplätzen und Füllwörtern über die magische 300 Wort-Grenze schleppen muss. Oder er/sie wird von irgendjemanden gezwungen, regelmäßig Texte zu produzieren, womit wir beim Thema „Unternehmensblog“ wären.

Denn gerade Firmenblogs sind nach meiner Erfahrung ein Hort von schnell zusamengefrickelten, oft auch noch handwerklich schlecht geschriebenen Texten: Wortwiederholungen, Yoda-Grammatik, Kommafehler, kein roter Faden im Text etc.. Man merkt hier, dass der Schreiber irgendwie seine Pflicht erfüllt hat, aber eigentlich lieber ganz etwas anderes gemacht hätte.

Ich rate meinen Kunden daher, vor der Einrichtung eines solchen Blogs genau zu überlegen, ob jemand in der Firma Zeit und Talent hat, diesen über Jahre zu pflegen. Andernfalls sollte man es trotz Expertensprüche wie „dass müssen Sie unbedingt machen!“ doch lieber überdenken. Denn nichts ist peinlicher als ein Blog, in dem der letzte Eintrag ein Jahr zuvor geschrieben wurde und der vielleicht auch noch aus brisanten Informationen wie „Endlich kommt die Sonne raus, wir wünschen Ihnen allen frohe Ostern“ besteht. Mein Tipp: Lieber kein Blog als so einer!

Insgesamt bin ich mir stark im Zweifel, ob die Strategie der Massenproduktion von Artikeln langfristig zum Erfolg führt. Enttäuschte Besucher kommen meist nie wieder, der Blog-Autor hinterlässt verbrannte Erde. Qualität setzt sich bekanntlich irgendwann durch. Und man hat auch irgendwie ein schlechtes Gewissen, so einen Müll rauszublasen. Ich hätte das zumindest.

Qualitätsgarantie

Für meinen Teil darf ich Ihnen versprechen, dass hier in meinem Blog eine Artikel-Massenproduktion auch zukünftig nicht stattfinden wird. Ich versuche zwar, ungefähr einmal die Woche etwas Interessantes zu schreiben, aber manchmal finde ich nicht die Zeit, habe nichts Aufregendes zu berichten, fällt mir einfach nichts ein oder ich bin nicht in der Stimmung zum Schreiben.

An anderen Tagen sprudelt es geradezu aus mir heraus, beeinflussen kann ich das nicht. Meine Artikel sind Unikate, die in manchmal stundenlanger Arbeit des Schreibens, wieder Lesens und Umschreibens entstanden sind. Ausgenommen davon sind natürlich sachbezogene Texte, bei denen eine kürzlich abgeschlossene Arbeit vorgestellt wird und wo eine gewisse Wiederholung unvermeidlich ist.

Meine Strategie ist es zudem auch, ältere Artikel, zu dem mir im Nachhinein etwas Neues einfällt, zu verbessern. Generell lege ich großen Wert auf einen gewissen Mehrwert, sei es, dass interessante Tipps oder Hintergrunde genannt werden oder es durch einen beißenden Sarkasmus, den ich gerne ab und zu einbringe, einfach Spaß macht, den Text zu lesen.

Eine eigene Meinung erlaube ich mir dabei ebenfalls, wem dass nicht passt oder falls jemand etwas ganz anders sieht, kann gerne in einem Kommentar etwas Gegenteiliges schreiben. Berechtigte Kritik und alternative Sichtweisen sind mir willkommen. Die allermeisten meiner Artikel werden so automatisch weit mehr als 300 Wörter lang, viele (wie dieser hier zum Beispiel) haben sogar über 1000 Wörter.

Aber ich möchte auch nicht betriebsblind und selbstverliebt werden, sagen Sie mir doch bitte einmal Ihre Meinung zu meinem Blog, was gefällt Ihnen, was nicht?

Nachtrag

Was ich unter einem guten Artikel verstehe und einige diesbezügliche Tipps lesen Sie in meinem nächsten Beitrag „Der gute Artikel“.

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