Geschrieben von Christian Schnettelker

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Am falschen Ende gespart…

Habe heute mehrere Stunden lang eine meiner recht alten Webseiten (ursprünglich 2006 erstellt) optisch und technisch überarbeitet, viele inzwischen selbstverständliche Dinge fehlten dort, die Überarbeitung der Seite des Kinderarztes war also dringend geboten.

Als alles fertig, die Optik modernisiert, die Sitemap über die Webmastertools aktualisiert und der SEO-Score deutlich verbessert war schaute ich spaßeshalber einmal nach, wie die Seite hinsichtlich des wahrscheinlichsten Suchbegriffs „Kinderarzt + Stadt“ so in Google abschneidet. Um es gleich vorweg zusagen, meine unoptimierte Seite stand und steht auf Platz #1, das war aber ausnahmsweise mal nicht mein Verdienst…

1996 – Bill Clinton wird als Präsident der Vereinigten Staaten wiedergewählt

Beim neugierigen Klick auf Platz #2 stellte ich sofort fest, dass meine Seite die „Pole Position“ dem Umstand verdankt, das die Konkurrenz einfach abenteuerlich schlecht ist. Hier sind wieder einmal nahezu alle des öfteren beschriebenen Webdesign-Fehler versammelt, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.

Optisch sieht Platz #2 übrigens wie ein Werk aus 1996 aus, unglaublich veraltet, Pflasterstein-Hintergrund mit blauen Farbverläufen und in Paint gezeichneten Figuren – zum Fremdschämen.

Die Autoren der Seite, zwei Kinderärzte, die ihre Praxis in der selben Stadt wie mein Kunde führen, geben ihre Webdesign-Inkompetenz dann gleich freimütig auf der Startseite öffentlich bekannt:

Wir haben unsere Homepage ohne jegliche professionelle Hilfe erstellt. Bitte sehen Sie uns daher etwaige Fehler oder Verzögerungen im Seitenaufbau nach. (…) Wir arbeiten kontinuierlich an den Seiten, aber wer selbst einmal eine Homepage erstellt hat, weiss wie zeitintensiv und beschwerlich gerade das Ausmerzen von „kleinen“ Fehlern ist.

Wenn es nur die kleinen Fehler wären. Hier das, was ich innerhalb von 5 Minuten an gravierenden Versäumnissen feststellen konnte und erfolgreich verhindert hat, dass die Seite mein Werk aus 2006 in den inzwischen vergangenen acht Jahren überholen konnte:

  • Epic fail Seitentitel, hier stehen nur die Nachnamen der Ärzte, kein Ort, keine Fachrichtung. Würden Sie als Kinderarzt nicht auch ganz groß mit „Kinderarzt“ werben?
  • Gleicher (falscher) Seitentitel auch auf allen Unterseiten
  • Fachfremder Text auf der Startseite (soll das Impressum sein), insgesamt mal wieder viel zu wenig Text
  • Keine Strukturierung mit Überschriften und Zwischenüberschriften, der so wichtige H1-Heading-Tag fehlt gleich ganz
  • Duplicate Content da Anfragen mit / ohne www. nicht abgefangen werden, das straft Google gnadenlos ab
  • Keine Meta Description, keine Sprachangabe

Saving the penny, losing the pound

Entsprechend katastrophal ist der SEO-Score: 35% (rot). Dazu kommen dann noch einige Fehler, die man Webdesign-Laien vielleicht nachsehen könnte, für die mich meine Kunden allerdings wahrscheinlich rädern, steinigen, vierteilen und anschließend verbrennen würden:

  • Seiteninhalte springen je nach Länge
  • Text in Times New Roman, ab und zu auch Arial und Sans Serif – mal groß, mal klein, mal blau, mal schwarz, wie es gerade beim schnellen Reinkopieren kommt
  • 90er-Jahre Farben: hellgrün mit rosa, ocker und blau

und natürlich der Klassiker, an dem man Vollspacken praktisch sofort erkennen kann:

Die 1996er-Optik dürfte auch den allerletzten verschreckt haben, der sich trotz aller SEO-Fehler auf die Seite verirrt hat. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, wieviele potentielle Patienten die Praxis erst gar nicht gefunden haben und wieviel Umsatz durch diese „Do it youself-Seite“ insgesamt in den vergangenen acht Jahren verloren ging.

Man sollte doch auch meinen, dass die Ärzteschaft noch nicht so am Bettelstab geht, als dass sie sich nicht einen vernünftigen Webdesigner würde leisten können. Das nenne ich einmal wirklich „am falschen Ende gespart“ bzw. wie der Engländer sagt: „Saving the penny, losing the pound“.

Blinddarmoperation am Küchentisch

Zum vernünftigen Handeln gehört mE auch, sich einzugestehen, wenn man etwas nicht kann, und es dann entweder ganz zu lassen oder einen Experten zu engagieren. Ich backe aus diesem Grunde meine Brötchen morgens nicht selber, henkele keine langen Unterhosen und käme nicht auf den Gedanken, dem Schwager den Blinddarm selbst heraus zu operieren (zumal ich gar nicht verheiratet bin).

Abschließend kann ich nur sarkastisch anmerken: ich hoffe, die zwei sind als Ärzte besser…

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