Geschrieben von Christian Schnettelker

Rückblick auf 2014

„Die Zeit, sie rennt im Sauseschritt“ sagt ein Bekannter gerne. Neben gefühlten 437259 Änderungen an diversen Ärzteseiten, Verbesserung der SEO-Werte praktisch aller Auftritte, 34834 WordPress- und Joomla-Updates, zahlreichen „Relaunches“, neuen Ärzteseiten für Mediteam und die LGNW und dem Schreiben von bis dato 58 Artikeln innerhalb dieses, meines Blogs widmete ich meine Zeit in 2014 den folgenden fünf Großprojekten:

Nicht aufgeführt sind mehreren andere Projekte, die erst in 2015 fertiggestellt sein werden. Finanziell gesehen also ein sehr erfolgreiches Jahr, der Finanzminister freut sich sicher schon, alsbald meine Steuern auf die Gewinne für ein oder mehrere völlig sinnlose Projekte verbrennen zu können.
Tempus fugit
Besondere Freude hat mir mein Blog hier gebracht, das Schreiben macht Spaß und Google dankt es durch eine bessere Positionierung meiner Seite insgesamt. Auch der Flickr-Account ist in 2014 deutlich gewachsen, ich bin hier gerne kreative tätig, was sich dann auch noch durch die immer höhere Linkpopularität meiner Seite bezahlt macht.

Notbremse

Nun aber zum negativen Teil meines Jahresrückblicks, der fällt leider länger aus, denn dieses Jahr lief beiweiten nicht alles rund. Manche werden es vielleicht gemerkt haben, aber ich habe mich in 2014 kräftig verrechnet.

Projekte, die ich mit Arbeitsaufwand 1x kalkulierte, konnten durch diverse Faktoren nur mit einem Aufwand zwischen 3x und 5x abgeschlossen werden. Oft kam ich vor 23:00 Uhr gar nicht mehr aus dem Büro, im Herbst musste ich die Notbremse ziehen und alle Projektanfragen bis Ende 2014 aus Zeitgründen ablehnen. Ursachen für meine Fehleinschätzungen waren:

1. Verwirrung. In meinem Artikel „Ärgern Sie Ihren Webdesigner“ habe ich es schon mal angesprochen, viele Leute arbeiten einfach anders, als ich es tuen würde. Statt sich eine Sache sorgsam zu überlegen und eine gewünschte Änderung im Paket mit möglichst genauer Beschreibung der zu ändernden Stelle zu schicken erhalte ich oft mehrere, sich zum Teil widersprechende Emails, wo man dann auch erstmal rätseln und rückfragen muss, was gemeint ist.

Das kostet alles Zeit und vor allem Nerven – leider sind es idR meine Nerven, die dabei draufgehen. Mit der steigenden Anzahl von Kunden und Emails geriet ich teilweise in einen Zustand, in dem ich die Projekte nicht mehr überschauen konnte und Sachen schlicht und ergreifen vergessen habe.

2. Unterschätzung. Das geht auf meine Kappe, ich sollte es endlich einmal lernen, dass praktisch niemals etwas wie geplant läuft. Ein CSS-Effekt funktioniert nur in 4 von 5 Browsern, ein CMS verweigert das Update, Faxe verschwinden in dunklen Kellern, Provider xyz lässt mich wochenlang auf Zugangsdaten warten, weil man ohne Vertretung Urlaub macht – irgendwas geht immer schief.

Ich sollte, wenn ich den Zeitraum auf 10 Tage schätze, daher mindestens 20 Tage ansetzen, wahrscheinlich werden es letztlich 30-40 werden.

3. Perfektionismus. Ein Umstand, den ich wohl nicht werde abstellen können, auch wenn ich weiß, dass andere so nicht arbeiten. Ich möchte schon das bestmögliche im Sinne der Kunden abliefern, was oft aber eine irre Menge an Zeit kostet.

4. Kostenlosigkeit. Ich vermeide es gerne, wegen Kleinigkeiten Änderungen am vereinbarten Preis zu fordern. Manche Kunden nutzen dies jedoch – bewusst oder unbewusst – aus sodass sich diese Kleinigkeiten beträchtlich summieren und mich weit über das vereinbarte Maß hinaus beschäftigt halten. Hier werde ich mir in 2015 etwas überlegen und lernen müssen, auch einmal „Nein“ bzw. „Ja, aber gegen Aufpreis“ zu sagen.

Auch muss ich dazu übergehen, zukünftig alle „da könnten sie ja mal eben…“- Arbeiten nur noch gegen Entgelt auszuführen, zuoft war ich in 2014 mit zeitraubenden Dingen beschäftigt, die nicht Teil des Auftrages sind und mich viel Zeit gekostet haben. Ich helfe zwar gerne, aber kann den persönlichen Sekretär nicht ersetzen. „Der Kunde ist nicht Dein Freund“ – ich mag diesen Ratschlag eigentlich gar nicht, da ist aber wohl etwas dran.

5. Unentschlossenheit. Manche Kunden arbeiten nach dem Motto „hätte mir fast gefallen, finde ich aber blöd“. Sie wissen einfach nicht, was sie wollen und lassen mich das in zahlreichen Details für sie herausfinden.

Das ist frustrierend und kostet wieder unglaublich viel Zeit, meine Zeit. Leider sieht man den Leuten diese Eigenschaft im Vorfeld oft nicht an, hier werde ich in Zukunft wohl auch schneller ein Stop setzen und Aufträge notfalls auch nach Vertragsabschluss von meiner Seite aus kündigen.

6. Beratungsresistenz. Ich würde gerne, z.B. hinsichtlich Suchmaschinenoptimierung, das Beste im Sinne der Kunden erreichen, manche Leute sind hier allerdings beratungsresistent und können oder wollen trotz besseren Wissens nicht handeln. Ich nehme mir einmal fest vor, mich nicht mehr darüber zu ärgern und diese Leute dann eben ihrem Schicksal zu überlassen. Ob das klappt?

Notaufnahme

Im neuen Jahr gilt es also für mich, einige bestehende Strukturen und Handlungsweisen zu überdenken. Die Kunden und deren Eigenschaften werde ich nicht ändern können, es bleibt mir also nur, meinen Umgang mit diesen zu ändern, sonst lande ich über kurz oder lang in der Burnout-Notaufnahme.

Das wäre dann gar nicht im Sinne unseres Finanzministers, der möchte auch 2016 meine Steuern aus 2015 für neue, sicher wieder völlig sinnlose Projekte verbrennen.

Nachtrag vom 10. Januar 2015

Als erste Maßnahme, die oben geschilderte Situation zu verbessern, habe ich seit kurzem ein sogenanntes „Ticket-System“ eingeführt. Jeder neuen Kunden-Anfrage wird dabei eine Ticket-Nummer vergeben, wodurch die dahinter stehende Software alle folgenden Emails thematisch zusammenfassen kann.

Es bildet sich so automatisch für jeden Vorgang eine „Historie“, die in einer Datenbank abgelegt und von mir und vom Kunden online eingesehen werden kann. Ich hoffe, mir damit möglichst viele „ist meine Email angekommen?“, „wie weit sind Sie?“, „was hatten wir da nochmal besprochen?“ und „wo war der Link zum Entwurf?“-Emails zu ersparen.

Allerdings gab es auch hier wieder Schwierigkeiten, erst einmal muss man das System verstehen und ich hatte viel Mühe, die ganzen Rechtschreib- und Kommafehler, die der Open Source-Übersetzer eingebaut hat, zu entfernen. Sämtliche Email-Texte wurden praktisch neu geschrieben, um voraussehbare Fragen im Vorfeld zu erschlagen und alles möglichst übersichtlich zu gestalten.

Dann das Layout des testweise verwendeten Ticket-Systems: ich fand es ausgesprochen unzeitgemäß, um mal nicht „abgrundtief hässlich“ zu sagen. Mit dem „Geschmack“, den ich ja schließlich auch verkaufe, hatte es in der ursprünglichen Form wenig zu tun. Ganze zwei Tage war ich damit beschäftigt, das Design des Kunden- und Staff-“Helpdesks“ via neuem CSS-Code so anzupassen, dass es meinen Vorstellungen einigermaßen entspricht.

Im Moment funktioniert alles wie gewünscht, mal sehen, was es mir auf Dauer bringt.

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